Im Spätsommer 2013 war es soweit: mein Freund und ich hatten endlich beide jeweils eine Maschine – eine Triumph Speed Triple und eine Yamaha XJ6N.
Das sollte gefeiert werden, und zwar mit einer längeren Tour!

Bevor wir diese beginnen konnten, mussten wir erstmal die Grundausrüstung zusammenstellen. Zu dieser Zeit besaßen wir ja noch nicht mal ein Zelt, sodass uns auch Camping nicht in den Sinn kam. Nachdem aber in den brandneuen Hecktaschen endlich sämtliche Kleidung untergebracht und das Gepäck an den Motorrädern festgezurrt war (yes!), konnte die Reise schließlich an einem späten Nachmittag mit einer dreistündigen Autobahnfahrt (no!) nach Hamburg starten.
Unser Aufenthalt in Hamburg dauerte nur eine Nacht auf der Couch bei Freunden. Am nächsten Morgen brachen wir zu unserem ersten Ziel, der größten Stadt der nördlichen Niederlanden, Groningen auf. Selbstverständlich planten wir, fortan die Autobahn zu vermeiden und nur über Landstraßen durch die Gegend zu fahren.
Eventuell fragt Ihr Euch an dieser Stelle, wie wir freiwillig das Flachland mit überwiegend geradliniger Streckenführung wählen konnten?! Nunja, damals klang es nach einer hervorragenden Idee, eine lange Tour mit Sack und Pack egal wohin zu starten – es konnte doch nur besser sein als die Berliner Innenstadt?!
Wir verzichteten somit eher unfreiwillig auf kurvige Straßen. Die Tour führte uns über Ackerflächen und entwickelte sich ab Landesgrenze dennoch zu einem kleinen Abenteuer. Wir fuhren und fuhren und fuhren über diesen einen Betonplattenweg und außer uns beiden daher knatternden Hobbyfahrern, gab es keine Menschenseele weit und breit. Ohne Netzempfang und Orientierung konnten wir diesen Weg nur vor- oder zurückfahren. Also ging es weiter geradeaus.
Nach zweistündigem Ritt über niederländisches feinstes Ackerland machten wir endlich wieder eine richtige Straße mit Funkmasten aus. Bei einem kurzem Zwischenstopp stellten wir beruhigt fest, dass wir unserem Reiseziel, Groningen, sehr nahe waren – welche Erleichterung!

Endlich in Groningen angekommen, haben wir uns in dem charmanten Altbau unserer Vermieterin eingerichtet und anschließend die wunderschöne Altstadt besichtigt. Groningen hat ebenso wie Amsterdam viele Grachten und als Universitätsstadt viele Studenten als Einwohner. In regelmäßigen Abständen holen hier Jung und Alt ihre Boote heraus und ziehen durch die Grachten mit viel Spaß und Musik. Nebst den freundlichen und freudestrahlenden Anwohnern, den vielen kleinen Cafés und Manufakturen, besticht Groningen mit der angenehmen Größe der Stadt und im Vergleich zu Amsterdam durch relative Unbekanntheit bei Touristen.

Nach 2-3 tägigem gemütlichen Aufenthalt in Groningen zog es uns weiter. Über das kleine Flussdorf Giethorn, vorbei an vielen Windmühlen und Schafen, sollte unser nächstes Ziel Amsterdam sein.


In Amsterdam planten wir, besonders stilvoll zu übernachten: wir hatten vorab ein Hausboot reserviert! Unseres lag inmitten eines Anwohnerviertels im Norden und damit außerhalb des Zentrums. Erfreulicherweise sind Fähren im öffentlichen Nahverkehr in Amsterdam kostenlos, sodass wir morgens und abends immer eine Schiffsfahrt über den großen Kanal samt Sonnenaufgang und Nachtbeleuchtung erleben durften.

In der Innenstadt konnten wir es uns nicht nehmen lassen, ein eigenes Boot auszuleihen. Um zum Verleih am anderen Ende der Stadt zu gelangen, schnappten wir uns zwei Fahrräder und radelten gemütlich durch Amsterdams Straßen und Gassen zum Ziel. Anschließend konnten wir quer durch die Grachten gondeln und bei schönstem Sonnenschein die Stadt vom Wasser aus entdecken. Gut zu wissen: in den Niederlanden braucht man keinen Bootsführerschein und nach kurzer Einweisung (Größere Boote haben immer Vorfahrt!) waren wir mittendrin. Das war definitiv ein Highlight unserer Reise – nächstes Mal würde ich allerdings noch ein paar mehr Snacks einpacken.

Auch für Amsterdam haben wir uns 2-3 Tage Zeit genommen. Das nächste Ziel sollte die Insel Texel sein. Unsere Route führte uns über eine aufgeschüttete Straße (N99) zwischen dem Amstelmeer und der Nordsee. Die Aussicht war großartig, die Winde zuweilen gewöhnungsbedürftig. Am Ende dieser Straße legten wir die letzten Meter mit einer 10-Minütigen Fährfahrt zurück.


Die Insel Texel war – zu unserer Überraschung – stark durch ältere Urlauber aus Deutschland besucht. Auch wenn wir viel schöne Natur sehen und erleben konnten, wurden wir nicht so richtig warm mit der Insel und den in den 80ern Jahren künstlich angelegten Feriendörfern. Trotz einiger schöner Erholungsorte, hat es uns nicht lange hier gehalten.


Mit einem kurzen Zwischenstopp in Enschede und Übernachtung in Wolfsburg, konnten wir unsere Rückreise innerhalb von 1,5 Tagen abschließen. Die Reise hat uns angespornt, noch viel mehr Orte und Städte mit den Mopeds zu entdecken, jedoch müssen es bei der nächsten Tour kurvige Strecken sein, etwa wie in den Alpen…