Ein Ort ging mir seit unserer letzten Mopedtour nicht mehr aus dem Kopf: der Klöntalersee vor dem Pragelpass hatte es mir angetan und tut es bis heute noch (die Entscheidung des Titelbildes für diesen Blog war somit auch sehr schnell getroffen – dieses türkisfarbene Wasser umgeben von schönster Berglandschaft, hach…). Ich musste nur noch herausfinden, ob man dort auch campen kann… Tatsächlich gibt es gleich drei Plätze zur Auswahl! Mit diesem Wissen und dem Wunsch, die Alpen mal richtig auszukosten, stand unsere nächste Tour fest: über den Schwarzwald sollte es zum Klöntalersee und anschließend quer durch die Alpen gehen.
Die Ausrüstung wurde selbstverständlich auch erweitert: Nebst unseren beiden Bikes, Zelt, Matratzen und Schlafsäcke, konnten wir in 2016 nun erstmalig einen Campingkocher und sogar Campingstühle (jaha!) unser Eigen nennen. Nachdem ich mich viel belesen und von Freunden beraten lassen habe, fiel die Wahl zum Campingkocher auf den Trangia. Es gefiel mir, dass wir das Brennmaterial Spiritus in jedem Land bekommen sollten, dass die beiden mitgelieferten Töpfe und die Pfanne zusammengesteckt im Matroschka-System eine angemessene Transportgröße haben und dass die Marke Trangia einen guten Ruf genießt (ich bekam die Idee, dass es sich hierbei um einen Campingkocher fürs Leben handeln soll). Bei kleineren Campingkochern hätte man immer noch das ein oder andere Zubehör, meistens jedoch das Kochgeschirr selbst, besorgen und irgendwie verstauen müssen. Kopien des Trangias sind zwar günstiger, aber nutzen sich schneller ab oder machen das Essen ungenießbar, da das Alu nicht richtig behandelt ist. So aber waren wir zusammen mit unserem Mokka-Kännchen zum Kochen perfekt gerüstet. Damit das neue Kochgeschirr nicht zerkratzt, wurde noch eine Löffel-Gabel-Kombination, sogenannter Göffel, aus Holz besorgt.

Sämtliche Nahrungsmittel (Pasta, Reis, Sojagranulat, Kaffee, Salz, Pfeffer, Oregano, etc.) füllten wir in Gefrierbeuteln ab, da man hier die Luft rauspressen und diese somit hervorragend im Tankrucksack verstauen kann. Zwei Tuben Tomatenmark, eine Zwiebel und ein bisschen Öl rundeten unser Proviant ab (ich verspreche schon jetzt, wir haben gekocht und gegessen wie Könige).
Im letzten Beitrag habe ich kurz auf unsere Rückenschmerzen durch fehlende Sitzmöglichkeiten hingewiesen. Wenn Ihr Euch wundern solltet, ob bei mir noch alles in Ordnung ist, dass ich nun solch unnützes Gepäck bewerbe: mein Freund hatte sich dieselbe Frage gestellt. Trotzdem bestellte ich die Campingstühle und mit ein bisschen Überzeugungsarbeit, hat auch mein Freund schlussendlich klein beigegeben (vorab: wir genießen sie beide und die Anschaffung wurde nicht bereut).

Mit dieser neuen Ausrüstung konnten wir die Reise gemütlich starten. Auch dieses Mal konnten wir nicht bis Samstag Morgen warten, sondern wollten gleich nach Feierabend losdüsen. Damit war die Strecke, die wir zu der Zeit noch zurücklegen konnten, kurz gehalten. Vorab habe ich den Campingplatz Schloss Issigau in Franken ausgesucht. Auf einem Schlossgut zu übernachten sowie der Hinweis auf der Website, dass sie „alles anbieten, was man für eine Zwischenübernachtung braucht“ war genau das richtige Marketing.
Wie auf den anderen Reisen auch, war uns der Regen gleich zu Beginn hold. Doch darin sind wir mittlerweile abgehärtet und dank unserer Regenkombis trocken geblieben. Am Schlosshof angekommen, konnten wir direkt zur Zeltwiese durchfahren, die aufgrund des Regens gut durchnässt war. Ich habe noch die Worte meines Freundes im Kopf, als ich langsam auf die Wiese fuhr, um mit großen Wendekreis wieder umzudrehen „Achtung, die Wiese ist nass…“. Doch da lag ich schon auf der Seite! Es war viel mehr ein sanftes Hinlegen, da ich noch mit aller Kraft versucht habe, die Maschine oben zu halten, aber wenn einmal der Winkel überschritten ist… Mein Freund hatte mit der gleichen Nässe zu kämpfen und konnte mir dadurch nicht zur Hilfe eilen. Also lag ich zunächst lachend da und kroch schließlich unter der Maschine hervor. Ein Vater (selbst Motorradfahrer) und seine Tochter halfen mir dann beim Aufrichten des Motorrads. Offentsichtlich hatte er nicht gesehen, wie es mir passiert ist, oder war einfach sehr nett, denn auf die Frage der Tochter hin, warum das Moped liegt, antwortete er, dass mein Ständer auf dieser nassen Wiese keinen Halt gefunden hat… 🙂 Mein Freund steckte immer noch in der Schlammgrube, aber nachdem mein Bike wieder aufgerichtet und ein Standplatz gefunden war, konnte ich ihm Hilfestellung geben.
Mit bombastischem Gefühl für diesen Reiseauftakt war es Zeit, den Campingkocher und die Stühle einzuweihen. Auf dem Speiseplan stand Penne mit Tomatensoße. Wir hatten gelernt, dass man mit der Soße anfängt und die Pfanne mit der Soße anschließend auf den Topf mit dem kochenden Wasser gestellt wird. Durch diese Deckelfunktion verbraucht man insgesamt weniger Energie/ Spiritus und die Soße bleibt trotzdem warm.


Wohl gesättigt und ausgeruht ging es am darauffolgenden Morgen in den Schwarzwald. Da wir beide noch nie im Schwarzwald waren, hatten wir auch keine Vorlieben, wo es hingehen soll – nur fernab von Städten. Nachdem wir gegen Abend mehrere Campingplätze aufsuchten, zum Schluss sogar nur noch telefonisch nachgefragten, nahmen wir den für uns wohl an dem Abend letztmöglichen Stellplatz wahr. Dieser Zeltplatz sah zwar sehr schön aus, aber auch Eltern mit vielen Kleinkindern campten dort auf der Zeltwiese. Uns bot man den letzten Platz mit Parkmöglichkeit an, also etwas abgelegen von der Zeltwiese. Dieser Zeltplatz stellte sich dann, nachdem wir trotz der anfänglichen Angst, ob die Kleinkinder nachts schreien würden (Camp Slamni in Kroatien hatte uns geprägt), friedlich schlafen konnten, als wahres Schmuckstück heraus. Erst nach der Reise haben wir herausgefunden, dass wir auf DEM Campingplatz im Schwarzwald gezeltet haben: Camping Müllerwiese.

Hier gleicht der Fluss Große Enz noch einem Bach, doch das nächtliche Rauschen reicht zum friedlichen Einschlafen. Wir haben unseren Aufenthalt spontan auf drei Tage ausgedehnt. Der selbstgebraute Kaffee oder auch Tee am Morgen nach ruhiger Nacht rundeten das Erlebnis ab. Es ist ein wunderbares Gefühl, so unabhängig zu sein.

Während unseres Aufenthalts haben wir Tagesausflüge im Schwarzwald unternommen. So kam es, dass wir zum ersten Mal in unserem Leben Deutschlands höchsten Wasserfall, die Triberger Wasserfälle, besuchten. Beeindruckend war der Wasserfall schon, allerdings waren es mir zu viele Besucher und die Stadt voll mit Restaurants, die die Touristen billig abspeisten. Wir haben uns nach dem Besuch des Wasserfalls auf die Mopeds geschwungen und sind nur ein paar Minuten raus aus dem Zentrum zum Restaurant & Pension Bergseestüble gefahren – etwas teurer, aber das Essen war fantastisch, ein echter Geheimtipp!

Nach 2-3 Tagen beschlossen wir, weiterzuziehen, da wir ja unbedingt noch etwas Zeit am Klöntalersee verbringen wollten. Damit wir aber nicht schon wieder an allem unbeachtet vorbeidüsen, nahmen wir uns Zeit, die Umgebung auf der Reise gemütlich zu entdecken und endeten an diesem Tag nur im südlichen Teil des Schwarzwaldes.


Nach ein paar kleineren Sehenswürdigkeiten und der beeindruckenden Nagoldtalsperre suchten wir einen Platz am Titisee. Eine große Baustelle zwang sämtlichen Verkehr komplett um den Titisee herum zu fahren, aber die Aussicht und die Strecke waren ein echtes Erlebnis für sich! Auf dem Campingplatz Bankenhof bauten wir unser Zelt wieder auf. Wir konnten gar nicht glauben, wie groß unser Stellplatz tatsächlich sein soll, haben den Platz aber vollends genutzt. Leider blickt man von der Zeltwiese nicht nur ins Grüne, wie auf dem Foto zu sehen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite auch auf einen Caravanwald. Für einen Kurzaufenthalt ist es aber noch in Ordnung.
Hier im tiefsten südlichen Schwarzwald mussten wir lernen, dass trotz Mitte August die Temperaturen nachts auf 5-6°C sinken können. Unsere Schlafsäcken hielten uns zwar warm, aber nachts mal eben auf die Toilette zu gehen wurde genau abgewogen („Wie dringend ist es wirklich?“). Auch gegen 8 Uhr reichte die Morgensonne leider nicht, um die Umgebung zügig zu erwärmen.

Abends konnten wir über den benachbarten Campingplatz mit öffentlichem Weg und einer 5-10 minütigen „Wanderung“ den Blick über den Titisee schweifen lassen.

Natürlich kochten wir auch hier wieder im großen Stil. Durch die Blicke der benachbarten Camper gewann ich den Eindruck, dass es nicht unbedingt typisch ist, dass zeltende Personen so ausgiebig kochen. Um so schöner zu erleben, dass es möglich ist! Hier fangen wir gerade an, Chili sin Carne con Soja zuzubereiten. Wir hatten kein Brot, aber Reis. Ihr hättet unsere Teller sehen müssen…

Leider wurde unser 2-3 tägiger Aufenthalt am zweiten Tag durch Partycamper gestört. Zwei Parzellen weiter trafen drei Jungs in ihrem tiefer gelegtem Golf ein. Kofferraum auf, Musik über die Bassrolle aufgedreht, Bier raus, los ging die Party. An sich ist nichts gravierend Schlimmes dabei. Nur die Wahl der Musik beschränkte sich auf dumpfes basslastiges Techno. Unseren mehrmaligen Bitten, dass sie es leiser drehen möchten, da es nicht unseren Musikgeschmack trifft, wurde teilweise nachgegangen.
Auch die Jungs hatten nachts mit den kalten Temperaturen zu kämpfen. Ihre einwändigen Zelte waren keine große Hilfe, somit wurde sich die ganze Nacht lautstark, damit es auch alle hören konnten, beschwert „wie schweinekalt es ist“. Angestachelt von drei Mädels, die gegenüber zelteten und flirty, flirty, auf diese geistreichen Kommentare mit Kichern antworteten, gaben die Jungs die ganze Nacht Kommentare wie „Er schrumpft, ich schwöre er schrumpft.“ von sich… Leider hatten wir keine Ohropax dabei.
An der Rezeption hatten wir über Nacht unsere Elektrogeräte geladen. Als ich diese am nächsten Morgen abholen wollte, schienen sich noch andere Camper über die neuen Nachbarn zu beschweren. Der Rezeptionist war sichtlich genervt, da sie wohl schon mehrmals mit den Jungs gesprochen hätten – augenscheinlich erfolglos. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass sie nicht konsequent durchgreifen würden, daher entschieden wir unmittelbar, zusammenzupacken und weiterzuziehen.
Es sollte direkt in die Schweiz gehen. Als Sehenswürdigkeit haben wir uns dieses Mal Europas größten Wasserfall, den Rheinfall bei Schaffhausen, ausgesucht. An diesen kommt man aber nicht „einfach so“ heran, sondern muss definitiv – egal an welcher Stelle – Eintritt zum Zugang zum Wasserfall zahlen. Wir wählten also den Einlass mit den besten Moped-Parkplätzen. Ich war erstaunt, welch schöne Burgkulisse uns als Eingang um den Wasserfall herum begrüßte.



Nach diesem erlebnisreichen Zwischenstopp ging es nun zum heiß erwarteten Klöntalersee. Als wir am Campingplatz Güntlenau ankamen, kippte das Wetter und im strömenden Regen musste dann das Zelt aufgebaut werden. Zum Glück hat die Zeltwiese eine überdachte Sitzmöglichkeit, unter der wir halbwegs entspannt das Überzelt aufbauen und aufgerichtet schnell an geplanter Stelle fest verankern konnten. An diesem Abend haben wir bei pechschwarzem Himmel und kräftigem Gewitter unter ebendieser überdachten Sitzmöglichkeit Abendbrot zubereitet. Es war so unfassbar dunkel und nur die grellen massiven Blitze erhellten den Platz – dies hätte man auf keinem Bild festhalten können. Am nächsten Morgen erstrahlte dann der schönste Sonnenschein und der Klöntalersee sowie der Campingplatz selbst zeigten ihre wunderbaren Seiten.




Am Abend konnten wir für den nächsten Morgen frisch zubereitetes schweizer Gebäck bestellen. Unser Favorit war der schweizer Zopf – sehr köstlich! Am Klöntalersee blieben wir bei stark wechselhaftem Wetter mit überwiegend Regen 3-4 Tage. In der Zeit konnte ich 2,5 Bücher lesen und entspannen wie nirgendwo anders. Die Campingplatzbetreiber sowie die anderen Besucher waren so angenehm, die Umgebung so ruhig und die Luft so rein. Eine wahre Erholungsoase – auch bei Regen!
Wir grübelten über die Tage hinweg, wo es anschließend hingehen sollte. Italien war zwar zum Greifen nahe, aber wir waren zur gleichen Zeit unterwegs als das italienische Ferragosto statt fand. Dabei macht das ganze Land zwei Wochen Urlaub und die Ferienorte/ Campingplätze sind überfüllt. Wer eine Ducati fährt, dürfte das Phänomen Ferragosto kennen, denn um diese Zeit herum ist es auch schwer, Ersatzteile oder Zubehör zu erhalten.
Wir haben uns für die österreichische Seite der Dolomiten und als nächsten Stopp Lienz entschieden. Über die Grossglockner Hochalpenstraße samt Maut (ca. 23 Euro je Moped) aber wesentlicher Zeitersparnis und Fahrspaß konnten wir bereits am Abend auf österreichischer Seite mediterranes Leben erleben und genießen.


In Lienz haben wir uns für den Campingplatz direkt in der Stadt entschieden, Camping Falken. Zuerst begrüßt einen der Caravanwald bei der Rezeption, aber die Zeltwiese hinter dem Nebengebäude ist ein wahrer Schatz. Von Grün umgeben, Indoor- UND Outdoorküche und mit einem ca. 5-10 Minuen fußläufigen Marsch bis in die Altstadt, konnten wir hier ruhig die Seele baummeln lassen.


Am zweiten Tag beschlossen wir die Gegend fußläufig zu entdecken. Die Bergbahn hatte uns zwar angelächelt, aber nach der ganzen Fahrt beschlossen wir, mal unsere Beine zu benutzen. „Oben“ (bei 1-2-3 auf dem nachfolgenden Foto) angekommen, konnten wir es uns nicht nehmen lassen und fuhren mit der Östirodler wieder hinunter. Gegenüber anderen Rodelbahnen fand ich es erstaunlich, wie nahe wir an den Kühen vorbei geschossen sind und diese sich noch nicht mal gestört fühlten.

Am Abend sind wir zum Rand der Altstadt geschlendert und haben die einzige original italienische Pizzeria im Ort „Da Leonardo“ besucht. Erstaunlicherweise war hier sehr wenig los, die Kellner aber wahnsinnig überfordert. Beim Verlassen haben wir einen Flyer an der Seite des Gebäudes (aber nirgends im Lokal selbst) entdeckt: in der Altstadt fand am selben Abend ein Pizzafest statt, bei der die Pizzeria Da Leonardo Hauptveranstalter war! Aber von dem Tummel haben wir gar nichts mitbekommen und hörten auch keine Musik?! Durch viele kleine Gassen hinweg landeten wir schließlich auf dem Marktplatz und da war es: Da Leonardos Pizzafest in historischer Altstadt mit gemütlicher Musik, vielen Italienern, die ihren Ferragosto-Urlaub hier verbrachten und überall mediterranes Flair! Gelato um 22 Uhr? Hier wie in Italien gar kein Problem! Wir aßen also keine Pizza mehr, aber statteten uns mit leckeren Eiskugeln aus. Was für ein Fest und solch warmes Wetter auch am Abend. Die Stadt Lienz mit ihren fröhlichen Menschen, niedlichen Lokalen und bestem Essen und Manufakturen kann ich absolut empfehlen.
Nach 2-3 Tagen mussten wir uns langsam gen Heimat aufmachen. Als Zwischenstopp wählten wir „irgendwas“ Höhe Salzburg. Während wir hinter Salzburg von einem See zum anderen vorbei an vielen Luxus-Unterkünften fuhren und die Dämmerung einbrach, fanden wir noch einen letzten Platz auf dem Campingplatz Wolfgangsee Birkenstrand. Überraschenderweise rundete dieser Platz unsere Reise hervorragend ab, denn mit direktem Zugang zum Wolfgangsee und schönstem Sonnenschein, konnten wir zum ersten Mal auf dieser Reise im kritallklaren Salzwasser baden gehen. Wir blieben gleich drei Tage am Strand mit Sonnenschein und guter Lektüre.

Nach drei Tagen mussten wir schließlich los. An nur einem Tag mit Pause auf dem Autohof unseres Vertrauens, Münchberg, mit Veggieburgern und Steckdosen zum Aufladen unserer Handys, die bis dahin ihren letzten Rest an Batterie verbraucht hatten, schafften wir es gegen 22:30 Uhr daheim erledigt aber munter anzukommen.
Diese Tour entsprach zum ersten Mal vollständig unseren Geschmack: Kultur, Entspannung, Unabhängigkeit (ein Hoch auf den Campingkocher) und Kurvengenuss in den Alpen. In Lienz haben wir dazu einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es in Italien sein muss. Damit steht für unsere nächste Tour fest: Italien muss dabei sein!