Die Nacht auf dem Zeltplatz in Lyon war okay, aber trotzdem sehr frisch. Beim ausgiebigen Frühstück entschied mein Freund, dass wir es mit dem Reifen versuchen und gegebenenfalls woanders nochmal eine Werkstatt besuchen werden. Wir packten unsere Sachen und nahmen uns als Tagesziel vor, den Lac de Sainte-Croix zu erreichen.
Die Strecke war weiterhin bescheiden, doch ab der zauberhaften Stadt Sisteron, die schon über 4.000 Jahre existieren soll, waren dann auch die Straßen und Landschaften mit ihren Weinfeldern endlich mal wieder schön anzusehen und zu fahren. Und überall diese tollen Düfte!


Am Abend erreichten wir erleichtert ohne weitere Vorkommnisse den Lac de Sainte-Croix, der gemäß unserer Erfahrung bei den Franzosen weniger bekannt ist. Wir lernten später, dass nicht der See aber die Städte mit „Verdon“ um den Canyon wohl berühmt seien.

Da es noch sehr früh in der Saison war, hatten noch gar nicht so viele Campingplätze geöffnet. Ein kleiner, familiärer Platz in Les Salles-sur-Verdon, Camping Les Pins, bot uns dennoch ein Plätzchen nach unserem Geschmack, wo wir erstmal duschten und ein leckeres Abendbrot zubereiteten.

Die Nacht war angenehm, dennoch etwas frisch, doch am Morgen erwärmte sich alles sehr schnell und ein wunderbarer Tag startete für uns.

Zunächst mussten wir unsere Sachen waschen, da wir auf dieser Reise wirklich nur das Nötigste mitnahmen und dies nun eine Auffrischung brauchte. Bei dem herrlichen Wetter konnten wir die Kleidung auch an der Luft trocknen lassen. Während die Waschmaschine noch arbeitete, schmiedeten wir Pläne für den Tag. Das Wetter am Lac de Sainte-Croix sollte hervorragend zwischen 20°C – 25°C bleiben. Damit war klar, dass wir hier nicht nur eine Nacht verbringen wollten.

Wir liefen also erstmal die 3-4 Minuten zum See, um zu schauen, was man hier so machen kann. Der Ausblick war atemberaubend und die Farbe des Wassers unglaublich!


Eine Zeltnachbarin hatte uns am Vorabend noch von der Stelle bei der Brücke erzählt, wo man sich Tretboote ausleihen konnte. Ich wusste wovon sie sprach, hatte aber weniger die Tretboote, als vielmehr die Kajaks im Sinn. Also packten wir unsere Sachen in den Rucksack zusammen mit einem der neuen Drybags, der für die Schlafsäcke angeschafft wurde, damit beim Kajakfahren auch Handys und Co. trocken bleiben.
Wir entschieden uns, die 8-minütige Fahrt gegen eine einstündige Wanderung zu tauschen. Clever wie ich war, hatte ich meine Schwimmschuhe an, die überhaupt nicht für eine Wanderung gedacht sind. Obendrein lernten wir hier dazu, dass Frankreich eher Autofahrer als Wanderer freundlich ist. Wir sind überwiegend an der Hauptstraße am Rande des Gegenverkehrs gelaufen und nutzten ab und zu die kleinen Waldwege zur Seite weg. Diese führten uns aber immer in die falsche Richtung, sodass wir wieder zur Straße zurück und an dieser weiter entlang laufen mussten. Meine Füße im passenden Schuhwerk freuten sich. Die knallende Mittagssonne tat ihr Übriges, aber wir waren gut mit Sonnencreme und den Handtüchern um unsere Köpfe gerüstet. Wie die Beduinen sind wir endlich auf der Brücke nach zirka zwei Stunden (wir hatten uns ja mehrmals verlaufen) angekommen. Und das Wasser war herrlich!

Trotz Nebensaison war die Ausleihstelle gut besucht. Allerdings galt das überwiegende Interesse den Tretbooten. Als ich für uns ein Kajak buchte, antwortete der Verleiher erleichtert „bon choix“. Wir bekamen mit, dass die Tretbootfahrer zirka eine Stunde warten mussten. Wir konnten hingegen sofort mit unserer zweistündigen Kajaktour beginnen. Das hoch spritzende Wasser war nach der Wanderung Balsam für den Körper.

In unserem Drybag hatten wir auch Trinken und Snacks dabei, sodass wir nach einer Stunde am Rande ein kleines Picknick und die Aussicht genießen konnten.

Nach kühlender Kajakfahrt sind wir (dieses Mal etwas gescheiter nur entlang der Straße) zurück gelaufen und waren innerhalb einer Stunde wieder an unserem Zelt. Beim gemütlichen Zubereiten des Abendbrots diskutierten wir unsere weiteren Möglichkeiten. Ich musste unbedingt meine Glühlampe austauschen, da diese kurz vorm See erloschen war. Wir hatten schon gemeinsam am Bike geschraubt, aber so einfach sind wir nicht an die Glühbirne gekommen.
Am nächsten Morgen rief ich in der nächstgelegenen Yamaha-Werkstatt an, ob sie mir noch am selben Tag die Glühlampe auswechseln würden. Tatsächlich brauchten wir einfach nur vorbeikommen und somit machten wir uns auf den einstündigen Ritt quer durch die wundervolle Landschaft der Provence auf nach Manosque. Da die Supermärkte in Frankreich, wie wir lernen mussten, zwischen 12:30 Uhr – 15:30 Uhr gern mal geschlossen waren, erledigten wir unseren Einkauf noch davor.
In Manosque wurde in der Werkstatt Yamaha ManosqueBike samt deutscher Konversation, da der Besitzer vor 20 Jahren aus Deutschland nach Südfrankreich gezogen ist, meine Glühbirne für 7,50 Euro ausgetauscht – da wir so dankbar für die schnelle Hilfe waren, gaben wir gleich 20,00 Euro. Anschließend suchten wir uns ein Restaurant nähe der Altstadt von Manosque. Mein Freund hatte ganze Zeit Appetit auf Pizza, ich wollte eher einen Crêpe. Als Deal teilten wir uns eine Pizza und sind anschließend in die nächste Crêperie. Da die Kellner sahen, dass wir aus der Pizzeria kamen, sprachen sie uns direkt an, dass es nur „Crêpe sale mais non sucré“ geben würde – als ob man es uns direkt ansah! Schade, das wäre ein perfektes Dessert gewesen.
Auf dem Rückweg führte unsere Route über Valensole und dabei hatten wir den atemberaubendsten Blick auf die Alpen, den wir jemals gesehen haben. Obwohl wir auf einer Hochebene waren, erstreckte sich diese über eine lange Strecke sehr flach, sodass wir wie in einem Canyon einen Panoramablick auf die Alpen genießen durften. Wir hätten das auf keinem Foto festhalten können, selbst Google Street View gibt es nicht ansatzweise wieder, aber damit man eine Idee erhält, habe ich für Euch mal eine Stelle herausgesucht.
Zurück am Platz verbrachten wir den Nachmittag am Strand mit Büchern und Sonne Tanken.

Am Abend recherchierten wir das Wetter in Italien. Offensichtlich braute sich dort ein Unwetter über mehrere Tage hinweg zusammen. Darauf hatten wir ja so gar keine Lust! Wir entschieden also, spontan nach Korsika zu fahren und buchten unsere Tickets. Die Fähre sollte am nächsten Tag 13:00 Uhr in Toulon ablegen. Da wir erst 19:45 Uhr in Ajaccio ankommen sollten, rief ich dort auf dem nächstgelegen Zeltplatz an, damit wir nach der Fährfahrt auch einen Platz für die Nacht sicher hatten. Die gute Dame hatte mich verstanden, aber ich hatte Probleme sie zu verstehen. Sie hielt es netterweise für mich einfach und sagte ganz verständlich „Ring, ring et voilà!“ – mein liebster Phras seit dem!
Wir fuhren also am nächsten Morgen 08:00 Uhr ohne Frühstück los, um in aller Ruhe die Strecke nach Toulon zurückzulegen. Wir dachten, wir könnten unterwegs gemütlich etwas essen und Kaffee trinken, aber die Auswahl war sehr gering. Hatten wir einen tollen Bäcker gefunden, gab es leider keinen Kaffee. Also fuhren wir einfach weiter um schnellstmöglich boarden und dann das lang ersehnte Frühstück essen zu können.

Wir standen zwar mit den Autos in einer Reihe, diese stauten sich dann aber bei der direkten Auffahrt der Fähre. Motorräder durften dort an der Seite vorbeifahren, sodass wir mit die Ersten am Deck und einem Sitzplatz waren. Unser Frühstück konnte starten. 🙂


Die Fähre benötigte knapp sieben Stunden bis Ajaccio. Da wir uns den 6-Minuten entfernten Zeltplatz ja schon ausgesucht hatten, konnten wir ganz in Ruhe am Abend durch die Stadt cruisen und auf dem Zeltplatz ala „Ring, ring et voilà!“ einkehren.
Der Zeltplatz Les Mimosas in Ajaccio war für uns am Abend eine tolle Lösung, da wir schnell einen Schlafplatz hatten. Allerdings waren der Sanitärbereich und der Hundehaufen auf unserem Pitch nicht gerade einladend. Als ich dann noch auf Toilette feststellen musste, dass es kein Toilettenpapier gab, war klar, dass wir am nächsten Morgen abreisen würden.

An jenem Morgen waren wir schon 07:00 Uhr wach, sodass wir noch genug Zeit hatten, einmal runter in die Altstadt zu laufen. Diese war auch gerade erst am Erwachen und viele Cafés waren noch geschlossen. Es gab leider sehr viel Dreck und überall Hundehaufen in der Stadt, in der Napoleon geboren wurde. Meine Lust weiter zu gehen, sank. Mein Freund überzeugte mich trotzdem, doch noch ein My weiter zu laufen und am Ende erwartete uns ein sehr schöner Wochenmarkt, wie man ihn sich im Mittelmeer nur vorstellen kann.

Wir fanden am Hafen dann ein Café, dessen Speisekarte Crêpe anbot. Perfektes Frühstück, dachten wir uns und suchten sofort einen Platz. Als wir bestellten wurden wir gleich darauf hingewiesen, dass es keine Crêpes, weder süß noch herzhaft, um diese Zeit geben würde. Das war doch wie verhext! Die Kellner waren auch nicht gerade freundlich, sodass meine Frage, um welche Uhrzeit man denn überhaupt süße Crêpes essen kann, unbeantwortet blieb. Wir tranken also nur einen Kaffee und machten uns wieder auf den Rückweg, um unsere Sachen zu packen.
Die erste Teilstrecke sollte Richtung Piana entlang der Küste gehen. Ich verspreche Euch, dass ist die wahrscheinlich beste Motorradstrecke, die wir jemals gefahren sind! Die Kurven, die Aussicht, die Berge, das Meer – fantastisch!

Ab und zu verloren wir das GPS-Signal, sodass wir leider gezwungen waren, häufiger an diesen tollen Orten anzuhalten! 🙂

Kurz vor Piana mussten wir uns dann entscheiden: um nach Bastia, unserem nächsten Ziel, zu gelangen, konnten wir weiter über die längere Küstenstraße oder über die kürzere Gebirgsstraße fahren. Da wir schon einiges von der wundervollen Küste gesehen hatten, entschieden wir uns für die Gebirgsstraße D81 und anschließend D84.

Ihr wisst gar nicht, wie glücklich wir mit unserer Entscheidung waren, denn im Anschluss an diese grandiose Küstenstraße, setzte die Gebirgsstraße nochmal eine Faszinationstufe auf. Das Unesco Welterbe „Les Calanches de Piana“ sowie die Straße dorthin und danach sind das reinste Schlaraffenland für Motorradfahrer.


Diese Strecke führte uns an der Stadt Evisa vorbei und wurde immer enger und gebirgiger inklusive Felsvorsprüngen, die in die Straße hineinragten, sodass nur ganz schmale Fahrzeuge diesen Gebirgspass nehmen konnten (keine LKWs *juchei*). Die Straße bot wenig Haltemöglichkeiten, sodass ich diese fantastische Motorradstrecke auf keinem einzigen Foto festhalten konnte, aber Google Street View gibt ein gutes Bild wieder.
Als wir immer höher fuhren kamen uns an den verschiedensten Ecken Gruppen von Schweinen, die wie Kühe oder Ziegen an der Seite der Straße grasten, entgegen. An einer Stelle konnten wir kurz halten. Dort gab es viele Ferkel, aber die Säuen waren auch nicht weit. Ich blieb also vorsichtshalber auf meiner Maschine und machte vom Straßenrand diese beiden Bilder. Wir fanden später heraus, dass dies wildlebende Hausschweine sein müssen.


Am Gipfel angekommen, ging es an weiteren Schweinegruppen vorbei Richtung Bastia.

In Bastia nahmen wir einen Zeltplatz in der Nähe zum Hafen und damit direkt am Mittelmeer. Der Campingplatz San Damiano hatte nicht die allerbesten Kritiken, aber ich kann mir vorstellen, dass die negativen eher aus der Hauptsaison stammen, denn hier in der Nebensaison war es fantastisch leer und man konnte direkt am Strand zelten. Ich muss trotzdem erwähnen: auch hier gab es kein Toilettenpapier! Das schien ein korsisches Ding zu sein…

Tagsüber hatten wir Temperaturen von zirka 25°C und die Nächte waren mit 15°C sehr mild. Hier auf dem Campingplatz verbrachten wir sehr viel Zeit mit Lesen und Entspannen. Es wurde Wäsche gewaschen und ausgiebig gekocht. Hier fanden wir auch heraus, dass in den Alpen der Winter wieder ausgebrochen war und auf dem Festland in Italien die Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt lagen. Wir wären am liebsten länger auf Korsika geblieben…
Am darauffolgenden Tag mussten wir jedoch die gebuchte Fähre ab 08:30 Uhr Richtung Livorno, Italien, nehmen. Wir könnten uns selbst in den Hintern beißen, dass wir uns für Korsika nur zwei Tage Zeit nahmen! Ungeachtet dessen haben wir definitiv einen hervorragenden Eindruck mit der Entscheidung gewonnen: wir kommen wieder!

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