Südfrankreich, Korsika & Italien (2017)

Nach kurzer vierstündiger Fährfahrt sind wir direkt zu unserer nächsten Unterkunft, die sechs Minuten vom schiefen Turm von Pisa entfernt war, geknattert. Vor der Stadt Pisa eröffnete sich uns der italienische Verkehr: Mofas zogen links und rechts vorbei, fuhren einfach im Gegenverkehr und machten die verrücktesten Fahrmanöver. Als ob die Hitze am Tag nicht reichte, machte mich dieser Verkehr fix und fertig. An unserer Unterkunft angekommen, gab es zusätzlich die Herausforderung, die für uns bereitgestellte Parkfläche durch einen Schlauch an Gartenweg mit Vasen links und rechts zu erreichen. Es musste also erstmal das Gepäck abgeschnallt werden, damit wir die Vasen nicht runter reißten.

Motorradparkplatz in Pisa im engen Hinterhof
Parkplatz in Pisa erreicht

Nach kurzer Erfrischung machten wir uns natürlich unmittelbar auf den Weg zum Schiefen Turm. Ich war überrascht, wie viele Menschen hier am Ostermontag den Platz füllten. Leider hat die Stadt Pisa nebst ihren wundervollen alten Gebäuden eine künstliche Umgebung, wie ich sie bisher nur aus Venedig kannte. Dies könnte daran liegen, dass in der Altstadt überwiegend Touristengewerbe und kaum Wohneinheiten zu finden sind.

Zum Abend hin knurrten unsere Mägen hungrig nach Pasta. Quer durch die überfüllte Altstadt fanden wir das Ristorante alle Bandierine. Dieses hatte die besten Kritiken und die Karte las sich hervorragend. Es sollte 19:30 Uhr öffnen, also setzten wir uns kurz davor in die Nähe und trafen weitere Kunden, die das Gleiche vorhatten. Gegen 19:40 Uhr hatten sich die Pforten immer noch nicht geöffnet und wir versuchten krampfhaft über Schilder am Lokal, Facebook und Website herauszufinden, ob das Lokal am Ostermontag geschlossen sei. Leider gab es dazu nirgends einen Hinweis, sodass die verschlossene Tür das einzige Signal war, weiterzuziehen.

In einem anderen Lokal fanden wir Platz und besprachen die weitere Rückreise, da wir der Winterlandschaft immer näher kamen. Zusammen mit dem Racing-Reifen, der bei Feuchtigkeit und Kälte wenig Grip hat, ein schwieriges Unterfangen. Es stand trotzdem fest, dass wir keine Lust hatten, nochmal eine Werkstatt im Ausland aufzusuchen, wenn es sich vermeiden lässt.

Wir beschlossen, erst einmal nach Mantova (nähe Verona) zu fahren. Hier waren die Temperaturen am Tage noch erträglich und kein Schnee zu erwarten. Das Navi sollte Autobahnen und Mautstraßen vermeiden und führte uns durch die verrückteste Gegend über den Passo delle Radici (auf über 1.500 Meter Höhe). In San Pellegrino in Alpe konnten wir nach den 61 Kehren mit prächtiger Aussicht Luft schnappen.

Passo delle Radici Panorma Voralpen mit Motorräder
Passo delle Radici – San Pellegrino in Alpe

Fünf Stunden später kamen wir in Mantova an und fanden im Bed & Breakfast LaVentana eine hervorragende Unterkunft mitten in der Altstadt inklusive Parkplatz im Hinterhof. Bei unserer Ankunft regnete es, aber die mit Sonnensegel überdachte Terrasse und die wundervolle Klaviermusik der benachbarten Musikschule gestalteten die Wartezeit (wir waren etwas zu früh dran) auf ihre eigene Art besonders.

Nach wärmender Dusche ging es sofort in die Altstadt. Durch das wechselhafte Wetter waren die Straßen und Gassen leer, aber die alten Gebäude strahlten trotzdem sehr beeindruckend daher. Gegenüber Pisa mochten wir es, dass die Menschen hier noch lebten und die alten Häuser nicht nur für das Touristengewerbe genutzt wurden. Die Basilica di Sant’Andrea aus dem 15. Jahrhundert öffnete ihre Pforten und war in ihrer Architektur atemberaubend. Im Jahr 37 n.Chr. kam der römische Soldat Longinus nach Mantova mit einer Reliquie der blutgetränkten Erde von Jesus. Longinus soll wohl derjenige gewesen sein, der Jesus die Nägel durch das Fleisch bohrte. Die Reliquie war lange verschollen und wurde um 804 auf wundersamer Weise wieder gefunden und im 15. Jahrhundert zum Bau dieser Basilika im Octagon (hier vorne im Foto zu sehen) schützend vergraben.

Mantova Basilica di Sant'Andrea Octagon
Basilica di Sant’Andrea

Nach der Stadttour gönnten wir uns am Marktplatz einen Spritz mit angenehmer Jazzmusik. Zu der Zeit grübelten wir weiter, wie wir durch die verschneiten und vereisten Alpen gelangen könnten.

Uns kam so langsam der Autozug in den Sinn. Und tatsächlich gibt es eine Verbindung von Verona nach Hamburg – aber leider erst ab Mai… Die nächstgelegene und im April fahrende Autozugverbindung wäre von Innsbruck nach Hamburg. Bis nach Innsbruck über den zugeschneiten Brenner musste wir aber erstmal kommen…

Wir suchten uns zunächst ein tolles Plätzchen zum Abendessen. Wir fanden im abgelegenen aber gemütlichen Ristorante Antica Osteria Ai Ranari die örtliche Spezialität (nach mehreren Menüs, die wir uns anschauten, mussten wir unbedingt folgendes Gericht bestellen:) „Tortelli di zucca al burro fuso e salvia“ – Kürbistortelli mit Butter und Salbei. Mir läuft es jetzt schon wieder im Munde zusammen, so lecker waren die!

Am nächsten Morgen ging mein Freund erstmal laufen. Ohne direkt darüber zu sprechen, entschieden wir uns wohl beide dazu, den Ritt nach Innsbruck auf uns zu nehmen. Um 10:00 Uhr fuhren wir in Mantova los. Bis zur Landesgrenze war das Wetter auch noch in Ordnung und wir kamen gut vorwärts. An der Brenner-Mautstelle Italien-Österreich flogen dann gleichwohl die ersten Schneeflocken.

Auch das Straßenbett sah sehr vereist aus, sodass wir hinter den LKWs fuhren, da wir kein Risiko eingehen wollten. Hinzu kam, dass es auch für unsere Finger einfach furchtbar kalt war. Da halfen auch unsere Unterziehhandschuhe nicht und beheizte Lenker besitzen wir auch nicht. Somit legten wir die Strecke bis nach Innsbruck (80 Kilometer ab Landesgrenze) mit 60-90 km/h und Fingerwärmpausen zu jeder halben bis dreiviertel Stunde zurück.

Brenner Schnee Wetterschutz für Mensch und Motorräder
Wintereinbruch in Österreich Ende April

Auf unserer letzten Pause vor Innsbruck bestellte ich dann die Zugtickets für unsere Maschinen und uns selbst. Während wir die Zugtickets für die Motorräder jeweils einzeln über die Website bestellen konnten, musste ich für die Personentickets die ÖBB-App benutzen. Ich habe ganze Zeit nur gehofft, dass ich mich nicht verklickt habe und unsere Mopeds und wir im selben Zug fuhren. Darüber hinaus hatten die Tickets nur Gültigkeit, wenn diese ausgedruckt wurden. Wow, dachte ich mir, und das in der heutigen Zeit nachdem ich alles so schön Online bestellt habe, immer noch dieser Papierkram…

Nach unserer Ankunft gegen 16:30 Uhr in Innsbruck tankten wir unsere Mopeds günstig voll und fuhren dann zur Verladestation des Innsbrucker Hauptbahnhofes. Hier ging ich direkt zum Kundencenter des ÖBB und lies die Tickets drucken. Mit einem anfänglichen Schock, dass sie die Tickets für unsere Mopeds nicht finden könne, habe ich der netten Sachbearbeiterin die Bestätigungsmails des ÖBB weitergeleitet und sie hat dann aus diesen Mails heraus unsere Tickets ausgedruckt. Ich hoffte so inständig, dass das alles seine Richtigkeit hat…

Da wir noch ein bisschen Zeit hatten, fuhren wir zum nächstgelegenen Vapiano, um vor der Zugreise noch eine vernünftige Mahlzeit zu haben. Die Schneewolken verdichteten sich dabei zunehmend, zum Glück war es in Innsbruck jedoch nicht so vereist.

Innsbruck Essen bei dicken Schneewolken mit Motorrädern
Vapiano Innsbruck und die Schneewolken rückten näher
Innsbruck Verladestation Motorräder mit dicken Schneeflocken
Warten am Innsbrucker Hauptbahnhof zum Verladen der Bikes

Als unsere Motorräder endlich mit gültigen Tickets *yes!* verladen waren, wärmten wir uns im Inneren des Bahnhofs bis zur Abfahrt auf. Während wir dann zu unserem Zugabteil liefen, verabschiedeten wir unsere festgezurrten Mopeds noch ein letztes Mal und hofften, dass unsere Hecktaschen der 200 km/h Zuggeschwindigkeit Stand hielten.

Autozug verladene Motorräder
Auf dem richtigen Zug und…
Autozug Motorräder festgezurrt
…festgezurrt – volle Fahrt voraus!

In unserer Kabine angekommen, begrüßte uns ein netter Co-Passagier aus Hannover, der uns jede Menge über Autozüge, deren Strecken früher sowie heute erklärte. Dabei machte er uns auch darauf aufmerksam, dass wir die sechs Sitze in der Kabine so ausfahren können, sodass wir drei Liegeflächen haben. Dies wurde von uns auch kurzerhand genutzt, als kurz vor München ein weiteres Paar in unserer Kabine einkehrte. Somit wurden zwei von den drei Liegeflächen von vier Personen im Kuschel- und Knäuelmodus belegt.

Gegen Mitternacht kontrollierte die ÖBB-Schaffnerin unsere Tickets. Wir waren alle noch im Halbschlaf, als sie die Kabinentür mit weckenden Rumms öffnete, lautstark rief “Fahrtickets bitte!” und unverhofft das Deckenlicht auf brutale Weise anschaltete und sich darin in aller Ruhe die Zeit nahm, die Tickets zu lesen. Ich war schockiert, dass sie bereits in solch jungen Jahren (zirka Mitte zwanzig) so abgebrüht war. Ein bisschen mehr Taktgefühl für die Situation und eine Taschenlampe zum Lesen der Tickets wären angebracht gewesen.

Hinter Nürnberg gegen 02:00 Uhr nachts verließ der nette Herr aus Hannover unsere Kabine mit dem Hinweis, die Kabine nebenan sei komplett frei und somit konnten wir uns zu viert auf den drei Liegeflächen breit machen. Damit kann man sagen, wir hatten eine halbwegs angenehme Nacht sogar im Liegen.

Autozug ÖBB Sitzflächen
Sitzflächen zum Ausziehen und Liegen

Gegen 05:30 Uhr verließ uns das andere Pärchen in Göttingen und wir konnten dann noch drei Stunden das ganze Abteil für uns genießen.

In Hamburg begrüßte uns die Sonne, aber leider lagen die Temperaturen nur um die 3°C.

Autozug Ankunft in Hamburg Motorräder
Ankunft in Hamburg – und die Hecktaschen sind noch dran

Die Rückfahrt über die Autobahn nach Berlin kostete uns daher nicht nur drei, sondern gleich fünf Stunden, da wir immer wieder anhalten und die Finger wärmen mussten.

In Berlin bereiteten wir uns, nach den enttäuschenden Versuchen, Crêpes in Frankreich zu essen, selbst erst einmal leckere Eierkuchen zu! Damit war die Reise dann endlich abgerundet. 🙂

Zubereitung Eierkuchen in Pfanne
Berlin – Eierkuchen!

Für eine nächste Tour haben wir uns vorgenommen, mehr von Korsika zu entdecken, darüber hinaus liebäugle ich immer noch mit Rom! Für die Strecken in den Süden überlegen wir wohl künftig, die Autozüge zu nutzen, da das viel Zeit und Kraft spart!

Aber nun kann uns erstmal die Sonne aus dem Süden in den Norden folgen und uns allen einen schönen Frühling bescheren.


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