Nach unserer Frühlingstour im April 2017 sollte unsere zweite Tour im August gen Norden gehen. Unsere Gedanken wechselten immer mal wieder zwischen Schweden und Norwegen, bis wir uns schließlich für den 2-wöchigen Ritt für Norwegens Fjorde entschieden. Bis auf die Fähre von Hirtshals (DK) nach Kristiansand (NOR) hatten wir uns keine explizite Route vorgenommen und sind somit dort hin gefahren, wo es uns hinzog.
Norwegen ist ja für die stolzen Preise bei Lebensmitteln und Co. bekannt. Auch die Perspektive, dass wir irgendwo in den Fjorden mitten in der Natur sein werden, bekräftige unsere Entscheidung: Wir schlauen Füchse nahmen jede Menge Proviant mit, sodass mein Tankrucksack ausschließlich damit gefüllt war. Trotzdem war noch Platz für unsere Therm-a-rest Matratzen, Zelt, Campingkocher und Campingstühle.
Wie so häufig bei unseren Touren, starteten wir auch diese Reise mit voller Regenschutzmontur. Beschwerlich kam hinzu, dass mit Urlaubsbeginn mein Freund mit einer Erkältung zu kämpfen hatte.

Mit Regenkombis und griffbereiten Taschentüchern fuhren wir am ersten Tag ganze acht Stunden durch den Regen über die Autobahn und standen bei diesem Regen in fünf Staus, die für uns unerklärlich waren.
Am Abend gegen 18 Uhr erreichten wir endlich die dänische Grenze, die uns dank Grenzkontrolle (ein Hoch auf das Schengener Abkommen…) ebenso mit einem Stau begrüßte.
Doch endlich auf dänischer Seite angekommen, schien zum ersten Mal die Sonne für uns!

Unser Ziel war es, so weit wie möglich nördlich zu gelangen, damit wir am nächsten Tag gegen 12 Uhr die Fähre von Hirtshals nehmen konnten. Die Staus an jenem Anreisetag gaben uns Grund zur Sorge, dass es auch am Folgetag so schleppend vorwärts gehen könnte.
Somit fuhren wir anschließend noch knapp zwei weitere Stunden, um in der verschlafenen Stadt Kolding beim erstbesten Hotel der Kette Zleep nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Wir waren auf teure Preise in Norwegen vorbereitet, jedoch wurden wir bereits in Dänemark mit den stolzen nordischen Preisen vertraut gemacht. Das Angebot an der Rezeption waren 998 Dänische Kronen (ca. 135 Euro). Umgerechnet waren dies für uns ca. 3-4 Übernachtungen auf einem Campingplatz.

Wir nahmen die Herausforderung an und recherchierten nach anderen Möglichkeiten. Nach verzweifelter Suche, vielen Telefonaten und einer Schwanenfamilie später entschieden wir uns schließlich doch für das Zleep Hotel.

Auf dem Parkplatz reservierten wir für 799 DKR über bookingonline.com das gleiche Zimmer im Zleep Hotel, das sind ca. 108 Euro – immerhin 27 Euro weniger als der Preis an der Rezeption. Die Dame an der Rezeption musste über unseren Schritt, dass wir „vorab reservierten“, auch lächeln und meinte, sie durfte uns leider nicht darauf hinweisen, dass es online bei ihnen immer günstiger sei…
Wir zogen schließlich mit Sack und Pack in unser 6-Bettzimmer (!) ein. Da waren genug Möglichkeiten unsere Sachen breit auszulegen und trocknen zu lassen. Anschließend motivierte ich meinen verschnupften Freund noch einmal kurz in die Altstadt zu schlendern, um Saft und Brot, die es nicht in die Provianttasche schafften, einzukaufen und unsere Beine nach zehn Stunden Fahrt zu bewegen. Die Altstadt war sehr schön, leider nicht sehr belebt.

Zurück im Hotel murmelte sich mein Freund ins Bett und ich kochte auf der Terrasse mit unserem Campingkocher Linsensuppe, damit mein Freund schnell wieder auf die Beine kam und die Konserven aus dem Tankrucksack waren.
Gestärkt, ausgeschlafen und geduscht ging es am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein los zu unserer Fähre!

Unsere Sorge, dass wir nochmal in einen Stau geraten könnten, war glücklicherweise unbegründet, sodass wir viel Zeit in der Warteschlange zur Fähre vertreiben konnten. Der Vorteil bei Fähren, wenn man mit Motorrad anreist: kurz vor der Auffahrt zur Fähre werden alle Autos gestoppt und die Motorräder dürfen zuerst aufs Deck. Natürlich mit der Begründung, dass die Bikes noch befestigt werden müssen, aber mit geübten Händen geht das schnell, sodass man Glück hat und sich auf der Fähre gute Plätze ergattern kann.

Da wir noch kein Frühstück hatten, nahmen wir in der Nähe eines der Bordrestaurants Platz. Leider war es uns dort nach einer Weile zu laut, sodass wir zunächst ein bisschen umher liefen.

Auf dem obersten Sonnendeck fanden wir schließlich ein Plätzchen zum Dösen und Sonnetanken, was wir nach dem Vortag bitter nötig hatten.

Nach drei Stunden, kurz vor Kristiansand, durften alle zu ihren Fahrzeugen. Das Unterdeck ist nicht so spektakulär, aber um nachfolgende Beschreibung zu verstehen, habe ich mich doch für ein Foto vom Stellplatz entschieden:

Ihr müsst Euch vorstellen, dass alle Biker fröhlich und angezogen auf ihren Mopeds saßen und warteten, dass diese riesige Stahlwand endlich den Weg frei gab. Als die Wand sich oben zum ersten Mal ein bisschen öffnete, folgte ein großer Schwall von Wasser, der vor uns hinunter prasselte. Dann blieb es eine Weile so, nichts bewegte sich. Ich war kurz aufgeregt, ob das alles seine Richtigkeit hat oder ob wir gleich weggespült werden. Als sich die Wand endlich weiter öffnete, lächelte uns die Sonne an und es gab tatsächlich freudiges Gelächter – also waren die anderen wohl auch kurz irritiert?!
Wir fuhren dann über kleinere Straßen über die E39 vorbei an der schönen Landschaft Süd-Norwegens und entdeckten den kleinen, sehr grünen Campingplatz Øyna. Wir fuhren ins Zentrum, entdeckten jedoch keine Rezeption. Am Toilettenhaus lasen wir jedoch die Info, dass zwischen 09:00 – 10:00 Uhr die Rezeption „geöffnet“ sei. Sprich, dann kommt jemand zum Abkassieren vorbei. Da wir nach der Ankunft am Festland auch kein Bargeld abgehoben hatten, lasen wir mit großer Erleichterung, dass wir die 150 NOK (ca. 15 Euro) für Zelt, Mopeds, Dusche und Wasser mit Karte bezahlen konnten.
Wir konnten also vorerst gemütlich loslegen, uns einen schönen Platz suchen und direkt am Fluss unser neues Zelt aufbauen. Dazu schnappten wir uns eine freistehende Parkbank. Unsere Nachbarn, aus zwei weiteren Zelten, zwei Hütten und ein paar Dauercampern, begrüßten uns alle nett und freundlich.


Nachdem alles aufgebaut war, war es Zeit für das Abendbrot. Vor unserer Reise liehen wir uns ein Campingkochbuch, aus dem wir die ein oder andere Inspiration mitnahmen. So zum Beispiel auch das Rezept für Quesadillas oder wie ich sie nun küre: Campingpizza.

Nach dem Abendbrot zog es uns relativ früh ins Zelt, da wir die Fahrt des Vortages immer noch etwas spürten. So schön das Wetter am Tage war, so kalt war es dann auch in der Nacht. Mein Freund verfolgte den Plan, viel anziehen hilft viel. Ich verfolgte den Plan, bloß nicht bewegen und an kalte Stellen gelangen. Half jedoch beides nichts, wir froren massiv! Nach unserer Reise erzählten wir auch Freunden und Familie davon, bis man uns schließlich den besten Hinweis dazu gab: Schlafsäcke sind dazu konzipiert, die Körperwärme zu reflektieren. Sprich wir hätten dort eigentlich ohne Bekleidung drin liegen müssen, damit wir die volle Wirkung des Schlafsackes genießen können – beim nächsten Mal wissen wir Bescheid!

Am nächsten Morgen begrüßte uns der Sonnenschein und wir aßen erstmal gemütlich Frühstück. Nach 10:00 Uhr war immer noch niemand da, um uns abzukassieren, sodass ich nun die Handynummer vom Toilettenhäuschen wählte. Tom, ein Bauer von nebenan, ca. Mitte 30, kam nach dem Telefonat schließlich mit seinem Fahrrad und Jutebeutel angeradelt. Aus dem Jutebeutel zog er sein iPad, sodass wir mit Karte bezahlen konnten. Für diese Situation habe ich noch nicht die passenden Bezeichnung: Campingplatz, Bauernhof, Natur, Fahrrad, Jutebeutel, iPad, bargeldlos bezahlen. Ich denke „Norwegen“ fasst es bestens zusammen. Wir liebten es! 🙂
Ab 11:00 Uhr ging es schließlich weiter und die Route über die E43 und E39 war ein erster Vorgeschmack auf die Fjorde. Die E39 ist eher eine Autobahn oder größere Landstraße, sodass wir ab Flekkefjord die E44 Richtung Stavanger nahmen. Auf dieser kleinen Straße machte dann die Maschine meines Freundes Probleme. Kurz vor einem Pass, entschieden wir uns glücklicherweise anzuhalten, denn das Moped zog einfach nicht mehr (wir hätten den Pass damit niemals geschafft). Auf dem Parkplatz entdeckte mein Freund schließlich, dass sein Kupplungshebel nicht mehr ordentlich zurückzog, sobald er diesen betätigte. Wir lockerten also ein bisschen die Mutter und fuhren in den nächsten Ort um Öl zu kaufen. Nach erfolgreicher Reparatur ging es schließlich über die E44 vorbei an vielen, vielen Kurven, Kehren, Natur, Städten, Seen, Flüssen, Fjorde, Meer, Wald und Gebirge.


Kurz vor unserem nächsten Campingplatz, überprüften wir ein letztes Mal die Route und fuhren auf einen schmalen Parkplatz mit leichtem Abhang zur rechten Seite. Als die Route geklärt war, richtete ich meine Maschine leider mit zu viel Schwung auf und konnte diesen auf der rechten Seite nicht stoppen, da dank des Abhangs mein Fuß nicht auf den Boden kam, sodass mein schweres Gepäck, allem voran mein Tankrucksack mit dem Proviant den Schwung auskosteten und mich zur rechten Seite kullern ließ. Der Tankrucksack (Bagstersystem) riss aus den Halterungen der Tankhaube. Fantastisch!
Notdürftig reparierten wir die Halterungen mit Wäscheleine – wie praktisch Wäscheleinen doch sein können. 🙂 Gedanken, wie die Lösung für meine Tasche für die restliche Reise (!) aussehen mag, verschob ich auf einen späteren Zeitpunkt.
Ølberg Camping zog uns durch seine gute Kritik (Strand und Kuhweide) an. Dort angekommen fiel uns aber der sehr nahe gelegene Flughafen auf. Auch der Karavanwald am Eingang zeugte nicht von idyllischer Natur. Wir bemerkten auch, dass hier fast ausschließlich deutsche Urlauber waren. Da wir aber keine Lust mehr aufs Fahren hatten und dachten, was kann bei einer Nacht schon schief gehen, rollten wir auf diesen Campingplatz. In der hintersten Ecke fand sich tatsächlich noch eine schöne Stelle, die allerdings sehr nah an anderen Campingnachbarn lag. Wir fragten freundlich nach, ob es für alle in Ordnung wäre, wenn wir uns für eine Nacht noch dazwischen quetschten und wurden nett begrüßt.

Nachdem unser Zelt stand, besichtigten wir noch den lokalen deutschen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Ich persönlich kann keine Faszination für Kriegsbauten entwickeln, aber empfand es auch surreal, wie sich die Natur diesen Ort wieder zurück eroberte.
Natürlich fing es nach kurzer Zeit auch wieder zu regnen an. Dank unseres neuen Zeltes konnten wir nun unter der Apsis kochen und blieben dabei auch noch trocken. Es gab Pasta, Pesto und Cheddar, den wir bei der Überfahrt von Dänemark noch günstig einkauften.

Beim Kochen, machten wir uns Gedanken über die nächsten Tage. Wo wollen und wo müssen wir noch hin. Die nächst größere Stadt, in der die Chance am größten war, meinen Tankrucksack zu reparieren, war Stavanger. Somit war klar, dass der Vormittag des Folgetags in Stavanger verbracht wird.
Nach einer lauten (Flughafen), regenreichen und stürmischen Nacht packten wir unsere sieben Sachen und waren am nächsten Morgen inklusive Regen zügig in Stavanger. Hier suchten wir natürlich erst das Yamaha-Haus auf. Die netten Kollegen konnten mir leider nicht die Bagsterhalterungen reparieren, boten mir aber eine Alternative an. Nachdem wir noch drei weitere Möglichkeiten (Allsupermoto AS, MC-Utstye, Bikerstreet) in Stavanger erfolglos besuchten, fuhren wir schließlich zurück zu Yamaha und wechselten das System von Bagster auf Kappa komplett. Die Tasche war ein My kleiner, aber auch stabiler. Um 1.900 NOK (ca. 200 Euro) ärmer, dafür wieder sicher verstautes Proviant konnte die Reise ab 13:30 Uhr weiter gehen.

Wir nahmen die Fähre von Stavanger nach Tau, welche für die 30 minütige Überfahrt für beide Bikes 188 NOK (ca. 20 Euro) kostete.


Nach einer weiteren Fährüberfahrt von Hjelmeland nach Nesvik schauten wir uns mehrere kleine Campingplätze an, bis wir schließlich bei Lindum Camping glücklich fündig wurden.

Zunächst überlegten wir, ob wir nicht eine der Hütten nehmen sollten, entschieden uns aber, unser Zelt für zwei Tage auf der riesigen Wiese aufzuschlagen. Als wir schließlich mit dem Abendbrot begannen, regnete es mal wieder und es hörte nicht bis zum nächsten Tag auf.

Als ich am nächsten Morgen vom Badehäuschen kam, entdeckte ich den Wasserfall hinter unserem Zelt und schoss zum Glück das Foto, denn schon am Nachmittag war der Wasserfall nicht mehr zu sehen. Zunächst zweifelte ich an mir, bis ich mich an das Foto erinnerte. Augenscheinlich entsteht dieser Wasserfall nur, wenn es viel regnete.
Da wir zwei Tage auf dem Campingplatz verbrachten, unternahmen wir eine kleine Wanderung und entdeckten neben Flora und Fauna viele Fischer bei der Arbeit.
Getrocknet und gestärkt ging es nach zwei Nächten weiter. Mein Freund recherchierte einen interessanten Platz, den Flesana Wasserfall, der nur eine Stunde entfernt und auf unserer Route zur Weiterfahrt lag. Wir verschoben unser Frühstück bis dahin.

Am Flesana Wasserfall angekommen, stellten wir fest, dass auch viele andere ihr Frühstück hier am Wasserfall planten. Wir hatten Glück und zwei Camper aus Deutschland beendeten gerade ihr Frühstück auf einer der drei Picknickbänke und gaben uns sogar noch zwei Frühstückseier ab.

Wie idyllisch und schön es war, direkt am Wasserfall zu frühstücken. Wir hätten dort eine Weile sitzen können, aber nach einer weiteren Stunde merkten wir, dass Regenwolken auf dem Weg waren, sodass wir unsere Reise weiter fortführten. Wir konnten irgendwann nicht mehr zählen, an wie vielen Wasserfällen wir vorbei fuhren, aber jeder Wasserfall war beeindruckender als der vorherige!


Von Årsnes ging es mit der Fähre nach Gjermundshamn. In der Wartezeit genossen wir die Aussicht auf den Fjord und die frische Luft.
Vom Fährhafen fuhren wir zum Campingplatz Gaupholm, der nur eine Stunde von Bergen entfernt war. Wir reisten bereits zur Mittagszeit bei strömenden Regen an, damit wir genug Zeit hatten, noch Bergen zu entdecken. Mein Betteln, dass wir doch eine Hütte nehmen sollten, blieb von meinem Freund mit dem Spruch „Wir sind zum Campen hier!“ unbeachtet. Also bauten wir im strömenden Regen unser Zelt so schnell wie möglich auf und packten das ganze nasse Gepäck ins Vorzelt.

Danach fuhren wir direkt weiter nach Bergen. Wir hatten ja unsere Regenkombis an, vergaßen jedoch leider die Gummihandschuhe, sodass bereits bei Ankunft in Bergen unsere Handschuhe tief durchnässt waren. Wir ignorierten zunächst den Fakt und kümmerten uns ums Essen, das schließlich überlebenswichtig ist! In der Mikrobrauerei und Restaurant UNA im Hanseviertel Bryggen wurden wir fündig.

Gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg, Bergen bzw. das Viertel Bryggen zu entdecken. Leider hörte der Regen nicht auf und wurde stattdessen sogar noch schlimmer, sodass ich zum Schluss meinen Helm aufsetzte, damit ich irgendeine Art von Regenschutz auf dem Kopf hatte. Wie Michelinmännchen liefen wir flotten Schrittes durch Bryggen und schossen das ein oder andere Foto, bis wir schließlich entschieden, die Heimfahrt anzutreten.

Ich kann Euch gar nicht genug beschreiben, welch eine Freude es war, die klitschnassen Handschuhe wieder anzuziehen und damit bei Temperaturen um die 10°C eine Stunde lang zurück zu fahren.
Auf der Rückfahrt erledigten wir noch einen kleinen Einkauf. Dabei stieg meine Neugier, was denn „Egg fra Toten“ bedeutet, da es mir zum wiederholten Male auf den Eierverpackungen auffiel. Es folgt nun ein kleiner Sprachunterricht: Wir lernten, dass die Google-Übersetzung nicht wortwörtlich zu nehmen ist – wer würde auch Eier von Toten nehmen?! Die nette Kassiererin erklärte uns, dass Toten ein Ort in Norwegen ist und dort gute Eier von glücklichen Hühnern herkommen würden.
Nachdem wir zurück auf dem Campingplatz waren, erfreuten wir uns an einer heißen Dusche und koordinierten mühselig – nasse Sachen ins Vorzelt, trockene Sachen ins Zelt. Wie wir unsere Motorradsachen (Stiefel, Handschuhe) jemals wieder trocken bekommen würden, war uns unklar, aber erst einmal genossen wir das trockene Zelt und die warmen Schlafsäcke.
Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass die Sonne den ganzen Tag scheinen wird. Welch ein Glück – das hatten wir bis dahin und auch danach an keinem anderen Tag erlebt. Somit nahmen wir uns viel Zeit zum Abbau unseres Gepäcks und hingen sämtliche nasse Sachen über den Zaun.

Nebst gemütlichen Frühstück, Lesezeit und Aussicht über den Samnangerfjord, verbrachten wir ganze sechs Stunden in der Sonne – und unsere Sachen waren tatsächlich wieder trocken!
Getrocknet und mit viel Vitamin D aber spät am Tage fuhren wir schließlich weiter. Vorbei an beeindruckender Natur, vielen Bergen und Seen, entsprang vor uns auf einmal eine Straße, die schon beim bloßen Anblick Freude in uns auslöste – Kvassdalen. Am oberen Ende der Straße fuhren wir an einer Landschaftsformation mit vielen Hügeln, Steinen und Schnee vorbei, die mir die Idee gab, dass wir gerade durch die schottischen Highlands fuhren.

Auf der Fährüberfahrt von Vangsnes nach Hella recherchierten wir unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit. Ich fand einen Campingplatz in der Nähe eines Gletschers, sodass wir diesen anpeilten.


Wir fuhren versehentlich am Campingplatz vorbei und landeten somit unbeabsichtigt beim Bøyabreen Gletscher, der wahnsinnig beeindruckend war. Wir selbst konnten den Gletscher nicht in seiner vollen Pracht einfangen, jedoch fand ich später ein Foto von Fabio Zingg, das genau den Eindruck und Staunen wiedergibt.


Wir fanden dann schließlich auch unseren Weg zum Bøyum Camping. Mit zwei Gletschern am Horizont (Bøyabreen und Jostedalsbreen) und unendlich viel Platz für unser Zelt, machten wir es uns für die Abendstunden gemütlich.

Durch die Sonnenstunden am Vormittag verloren wir ein bisschen Zeit und Strecke und entschieden somit, am nächsten Tag so früh wie möglich los zu düsen.

Streckenziel des Tages war der Geirangerfjord. Doch interessanter als der Geirangerfjord selbst war der Weg dorthin.

Über die Bergstraße B15 mit ihren vielen Kehren fuhren wir am Gletschersee Djupvatnet vorbei.

Beim Gletschersee empfahl uns ein älteres Ehepaar aus Großbritannien, lieber um zu drehen, da der Nebel, den man hier auf den Bildern so schön sieht, im Verlauf der Strecke noch dichter sein würde.

Natürlich waren wir hellhörig – solch eine Information von Briten? Trotz des Hinweises versuchten wir unser Glück.

Wir fuhren also direkt in die Nebelwolken. Und tatsächlich wurde es immer dichter und die Sichtweise beschränkte sich auf 5-10 Meter. Beschwerlich kam hinzu, dass die weiterführende Straße aus Kehren mit Abhang bestand. Autos blieben zur rechten Seite stehen, doch wir fuhren weiter, aus Respekt, man könne uns in diesen Wolken am Seitenrand nicht rechtzeitig entdecken. Mit neonfarbener Regenkombi und Warnblinkern, offenen Visieren und Augenlidern, die als „Scheibenwischer“ dienten, da die Wassertropfen die Sicht sonst zu sehr beeinflussten, ging unsere Fahrt Berg abwärts. Nach zirka 1,5 Stunden Wolkenfahrt erblickten wir endlich den Geirangerfjord!

Unten am Hafen gönnten wir uns einen warmen Kaffee und Waffeln. Da es uns am Geirangerfjord zu voll war und die Campingplätze direkt an der befüllten Straße lagen, entschieden wir uns, weiter zu suchen.
Bei der Weiterfahrt erhielten wir einen Blick auf den Geirangerfjord, der atemberaubend war. Die Wolken verzogen sich auch langsam, sodass uns irgendwann die Sonne begrüßte.

Mit der Eidsdall Fähre ging es nach Valldall. Die Fähren sind eine wirklich hervorragende und günstige (zwischen 10-20 Euro je Fähre für zwei Motorräder) Möglichkeit, die Fjorde zu entdecken und Strecken zu verkürzen.

Kurz nach Valldall entdeckten wir schon viele Campingplätze, die jedoch mit Campingwagen befüllt und meist betoniert waren. Bei der letzten Möglichkeit auf der Route fanden wir schließlich einen Campingplatz nach unserem Geschmack, Skoglund Camping.

Ein paar Stunden später war der Platz auch etwas voller, als auf dem Foto zu sehen. Trotzdem gab es genügend Raum und sogar Picknickbänke für alle. Leider fing es auch hier gen Abend zu regnen an, sodass das Abendbrot wieder im Vorzelt stattfand. Habe ich schon erwähnt, wie glücklich ich über das neue Zelt mit der Apsis, unter der wir auch bei Regen kochen können, bin?! 🙂

Am nächsten Morgen fuhren wir zu unserem nördlichsten Ziel der Reise: Trollstigen. Wie sollte es anders sein, erlebten wir auch dieses Reiseziel mit Regen.


Vom Trollstigen ging unsere Reise Richtung Oslo. Ich hatte uns zunächst eine Route herausgesucht, an der es viele tolle Wildcampingplätze mit Elchwanderungen gibt – über die E51. Leider fielen die Temperaturen über Nacht auf unter 0°C, sodass wir uns dagegen entschieden.
Entlang der E6 fuhren wir bei Regen, Kälte und Wind eine furchtbar langweilige und geradlinige Strecke, zu der mir keine einzige schöne Stelle einfällt. In Lillehammer wollten wir dann einen letzten Stopp vor Oslo einlegen. Ich verstehe es bis heute nicht, da Lillehammer eher für den Wintersport attraktiv ist, aber auch im Sommer sind hier alle Campingplätze belegt und auch nicht für Zelte geeignet gewesen. Darüber hinaus sind die Preise im Verhältnis zu den gebotenen Leistungen (keine schöne Aussicht, betonierte Flächen, an der lauten Hauptstraße gelegen) unverschämt teuer.
In unserer anbahnenden Verzweiflung folgten wir einem Schild zu einer Hütte, für die wir uns schlussendlich entschieden hatten. Nachdem wir eine halbe Stunde einen Pass hochfuhren, standen wir vor einem niedlichen Bauernhof, Skåden Gard. Aber auch hier waren die Preise wahnsinnig hoch (eine Nacht kostete 850 NOK, ca. 85 Euro). Jedoch durften wir für 500 NOK, die wir gerade so noch bar dabei hatten, in der Ferienwohnung hausen. Als die nette Dame uns über den Hof führte, erklärte sie uns, dass wir bitte leise und bedachtsam sein sollen, da sie noch weitere Gäste, bei sich beherbergte. Wir stellten fest, wir waren auf einem Pilgerbauernhof gelandet. Mein Freund und ich schnappten uns jeweils eines der beiden Kinderhochbetten und fühlten uns nochmal jung. 🙂
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Oslo, wobei die E6 zunehmend zu einer mautpflichtigen Autobahn wurde. Das tolle daran: Zweiräder sind davon vollkommen befreit und dürfen gebührenfrei über die Autobahn brettern. Im hippen Osloer Stadtteil Grünerløkka organisierten wir uns am Abend zuvor noch kurzfristig ein Airbnb für zwei Tage.

Nachdem wir in unserem Airbnb angekommen und uns aufgefrischt hatten, ging es direkt los, die Stadt zu entdecken.


Da wir unsere Bikes nun für zwei Tage stehen ließen, konnten wir den vielen Brauereien gar nicht widerstehen!



Für den nächsten Tag organisierten wir uns die Osloer City Bikes und entdeckten die Stadt via Muskelpower.




Neben dem Wikinger Museum gehört auch das Friedensnobelhaus, in dem wir Stunden hätten verbringen können, zu meinen Favoriten in Oslo.
Der Vigelandpark ist ein Stadtpark mit Skulpturen des berühmtesten norwegischen bildenden Künstlers Gustav Vigeland. Es war wirklich beeindruckend, wieviele Menschen diesen Park besuchten – und wir mitten drin.
Danach war es Zeit das Museum von dem für uns bekanntesten Künstler Norwegens, Edvard Munch, zu besuchen. Leider mussten wir feststellen, dass seine berühmtesten Werke nicht in seinem Namens-Museum, sondern in der Nationalgalerie hingen. Zudem waren die Servicemitarbeiter sehr unfreundlich. Infomaterial gab es nur auf norwegisch und die Bilder waren nur nummeriert (und manchmal auch nicht) – man musste sich die Infos irgendwie zusammen basteln, da sie nicht direkt an den Kunstwerken hingen. Da habe ich schon schönere Museen besucht.
Zum Abschluss des Tages, stiegen wir auf das Opernhaus Oslos empor und genossen den Sonnenuntergang und die Aussicht, bis wir uns dann wieder auf den Weg in die Brauereien machten und Abschied von Oslo nahmen.

Nachdem wir in den zwei Tagen in Oslo ungefähr so viel Geld für Unterkunft, Frühstück, Abendbrot und Brauereien ließen, wie im gesamten Urlaub zuvor, wollten wir langsam gen Süden über Schweden nach Hause fahren. Da wir noch genügend Zeit hatten, nahmen wir uns vor, nur eine kleine Strecke zurück zu legen und Norwegen gemütlich ausklingen zu lassen. Leider waren die Campingplätze hinter Oslo (Ende August…) entweder bereits geschlossen oder mittels Schranken nur den Dauercampern vorbehalten. Damit fuhren wir schneller nach Schweden, als es uns lieb war und fanden schließlich den Sandaholm Campingplatz.

Erst in Schweden fiel uns im Vergleich dann auf, wie toll die norwegischen Campingplätze waren. Wir mussten hier in Schweden wirklich für alles extra zahlen. Dusche, Waschmaschine, Wasser zum Abwaschen, Müll… Das beschleunigte unsere Laune, nach Hause zu fahren und somit buchten wir unsere Fährtickets für die darauf folgende Nachtfährfahrt. Am nächsten Tag fegten wir acht Stunden über schwedische Autobahn, genossen Pasta im Vapiano* in Malmö, und erreichten am Abend den Hafen von Trelleborg.
*(Vapiano hat Glasfenster und erlaubt uns, sämtliches Gepäck an den Bikes zu lassen, während wir gemütlich essen und einen Blick drauf haben – bisher können wir Vapiano Innsbruck und Malmö bestens dafür empfehlen.)

Wie bei allen anderen Fähren, durften auch hier die Mopeds als erstes boarden, sodass wir uns für die Nacht gute Plätze sichern und damit halbwegs schlafen konnten.

Ab 06:00 Uhr konnten wir von Rostocks Hafen nach Berlin los düsen und waren gegen 10:00 Uhr, nach mehreren Wärmepausen, endlich daheim in Berlin.