Goodbye my boy Lino ❤️

Gut einen Monat ist es her, da hat das Herzchen von unserem kleinen Großen aufgehört zu schlagen. Plötzlich und unerwartet kämpfte Lino eine Woche lang mit Atemproblemen und trotz täglichem Besuch in der Tierklinik und schlussendlich stationärer Aufnahme konnten ca. 6 kollaborierende Tierärzte nicht herausfinden, warum es ihm so schlecht ging. Weder Lungenentzündung, noch chronische Herzerkrankung oder Lungen- bzw. Herzwürmer schienen das Problem zu sein. Bis heute wissen wir leider nicht, warum unser kleiner starker Mann von uns gehen musste.

Über einen Monat hat es gebraucht, dass ich seine Geschichte aufschreiben konnte. Selbst jetzt beim Schreiben sitze ich Tränen überschüttet am Computer, aber gleichzeitig möchte ich mich für den tollsten Lebensabschnitt bedanken, den wir gemeinsam haben durften.

Lino wurde im Alter von ca. 4-6 Wochen mit seinen Geschwistern auf Malta bei 40°C an der Straße in einer Box ausgesetzt. Mein Freund und ich wollten am Anfang zunächst nur Pflegestelle für einen Hund sein, doch die Hunderettung Berlin & Brandenburg e.V. teilte uns Lino zu und es war um uns geschehen. Wir suchten uns ihn nicht aus, er kam am 01. September 2018 und blieb bei uns. ❤️

Lino beim Abholen nach seiner langen Reise von Malta nach Berlin

Da hatten wir nun diesen kleinen Knirps, unseren ersten Hund, der unsere Wohnung vom ersten Moment an als sein zu Hause ansah.

Puppy Lino – erstmal viel schlafen

Am Anfang hatten wir mit vielen kleinen Problemen zu tun, wie etwa Durchfall, Giardien, tränende Augen etc., doch Lino störte es nicht, Hauptsache wir waren zusammen.

Lino – der starke kleine Mann

Nebst den Krankheiten waren wir natürlich auch mit seinem Training beschäftigt.

Stubenreinheit – von wegen 2 Wochen, wie mir viele erzählen wollten, das waren bestimmt 6-7 Wochen, dann aber ohne Probleme!

Sitz, Platz, Bleib – alles innerhalb von Stunden gelernt, solange wir die richtigen Leckerlies hatten. 🙂

Leinenführigkeit – da hatte er bis zum Schluss seinen eigenen Sinn…

Andere Hunde – das war seine größte Freude sowie Schwäche, wir konnten nirgends passieren, ohne dass wir anderen Hunden Guten-Tag sagen mussten. 🙂

So sind die ersten Monate, in denen er so rasant wuchs und sich entwickelte, wahnsinnig schnell an uns vorbei gegangen. Aus dem Fahrradkorb, den wir für unseren kleinen Welpen vorbereiteten, damit wir weitere Strecken zurücklegen konnten, wuchs er so schnell heraus, sodass wir diesen nie nutzen konnten.

Linos Blick spricht Bände 😂

Dafür war Lino ein Langstreckenläufer. Bis zum Schluss wollte er am liebsten draußen sein – und laufen!

Für unseren starken Läufer und meinen 30. Geburtstag fuhren wir also in die Böhmische Schweiz in eine Hütte mitten im Wald, wo wir jeden Tag sehr viel wandern und entdecken konnten. Auch seinen ersten Schnee hat Lino hier kennen- und lieben gelernt.

Böhmische Schweiz – Lino wollte nur mit Schnee spielen

Leider hatte er auf beiden Seiten seiner Augen ein sogenanntes Entropium – rollende Augenlider, sodass die Härchen innen auf die Hornhaut drückten. So kam es, dass er noch kurz vor Weihnachten mit gerade mal 6-7 Monaten eine OP erleben musste. Während mein Freund und ich uns große Sorgen machten, ob wir das Richtige taten, wie gut er die OP überstehen wird usw. war Lino schon am selben Abend der OP ganz der Alte, der sogar mit Trichter seine Bälle durch die Wohnung jagte und wenn er mal an der Wand hängen blieb, einfach stärker gegen drückte, um seinem Ziel, den Bällen, näher zu kommen. Ich behaupte sogar, dass er den Trichter ein bisschen mochte!

Endlich klare Sicht für Lino!

Silvester und die ganzen knallenden Geräusche schienen Lino ebenso nichts auszumachen und so wuchs unser mutiger Mann prächtig, raubte uns aber manchmal auch den letzte Nerv – Teenager eben! 🙂 Auf Arbeit hatte Lino manchmal noch so seine Phasen. Zwar war die Couch zu Hause erlaubt, aber auf Arbeit waren die Sofas und Sessel tabu. Doch ich gebe zu, das ist vermutlich schwierig zu unterscheiden. Und lange böse sein konnte man Lino auch nicht, der mit so viel Charme die Herzen schmelzen ließ.

Je länger Lino bei uns war, desto mehr wusste er auch, wie er uns zum Rausgehen bewegen konnte, schlaues Kerlchen! Und waren wir draußen, so war es anschließend immer (!) schwer, ihn wieder hoch in die Wohnung zu bewegen.

Ich gehe keinen Schritt weiter hoch! 😈

Linos Welt war draußen, und dem wollten wir auch oft genug gerecht werden – wie kann man das auch nicht, so fröhlich wie er dabei jedes Mal aussah! 🙂

Im Mai 2019 unternahmen wir dann unseren zweiten Urlaub in die Alpen mit einen gemieteten Caddy Camper. Über diesen wahnsinnig schönen Urlaub, der gemäß Linos Vorliebe nur draußen stattfand, berichtete ich ja bereits.

Die Bindung in diesem Urlaub wurde viel, viel enger und das Vertrauen auf beiden Seite war innig. Wir verstanden uns wortlos und das nach acht Monaten zusammenleben.

Innerhalb des Urlaubs lernte Lino schwimmen und bis kurz vor seinem Tod, war das beinahe jeden zweiten Tag (Juni/Juli 2019 – Hitzewelle in Berlin) seine liebste Beschäftigung.

Unsere Wasserratte

Ob Tram oder U-Bahn fahren, alleine lassen in der Wohnung, in der überfüllten Stadt oder einsam im Wald, Lino war einfach cool, ein selbstbewusstes Kerlchen und ein wunderschöner Hund. Das kommt nicht nur aus meinem Mund, dies durfte ich beinahe täglich mindestens 10x hören. Mein Arbeitsweg verläuft über den Alexanderplatz in Berlin und Lino verzückte so viele Menschen, sodass mein Freund und ich uns schworen, Lino niemals irgendwo alleine angeleint zu lassen. Den hätte bestimmt jemand ruckzuck mitgenommen, denn Lino war nie skeptisch und einfach lieb zu jedem bzw. furchtbar neugierig.

Dog of Berlin

Mitte Juli bekam Lino plötzlich diese Atemprobleme. Er kämpfte eine Woche, verschiedene Tests wurden ergebnislos durchgeführt, er trank und fraß nicht mehr, bekam Infusionen, konnte nachts nicht schlafen, weil er keine Position zum Ausruhen und Atmen fand und als wir ihn dann an einem Donnerstag in der Kleintierklinik der FU Berlin zur stationären Aufnahme da ließen, da man uns erst dort zum ersten Mal auch sagte, es sei lebensbedrohlich, bekam ich von Lino mit letzter Kraft noch einen Schlappser auf den Mund, was er schon seit Wochen nicht mehr getan hatte – als ob er es wusste… Am 21. Juli 2019, Sonntag Nacht, 1 Uhr bekamen wir einen Anruf, und jeder wird mitfühlen können, wenn ich sage, was soll man gewöhnlich 1 Uhr nachts für einen Anruf erwarten?! Völlig neben uns stehend hörten wir der Ärztin zu, innerlich noch hoffend, dass sie es nicht sagen wird. Doch Linos Herz hatte aufgehört zu schlagen. Er wurde gerade mal 15 Monate alt.

Die Ursache ist nach wie vor unklar, wir vermuten aber, dass es ein Virus war, wogegen nur ein starkes Immunsystem helfen kann. Doch durch das frühe Aussetzen von Lino und seinen Geschwistern im Alter von 4-6 Wochen konnte er nicht lange genug Muttermilch zu sich nehmen, sodass er vermutlich kein gutes Immunsystem aufbauen konnte.

Lino ruht nun in seinem Lieblingsgarten, wo er jedes Mal wie verrückt Haken schlug, der kleine Sprinter. Ich denke, das wird ihn freuen und wir können ihn regelmäßig besuchen.

Ruhe in Frieden, mein kleiner Lino ❤️

Heute ist der 01. September 2019 und Lino wäre erst heute 1 Jahr bei uns gewesen. Wir haben also innerhalb der wahnsinnig kurzen Zeit von 10 Monaten mit Lino zwei Urlaube (in Tschechien und in den Alpen), einen erstklassigen Stadt- sowie Outdoorhund erleben dürfen und wirklich jede Minute zusammen genutzt. Der Schmerz, ihn gehen zu lassen, sitzt also sehr tief und doch bemühen wir uns, an die tollen Zeiten zu denken! Wir durften Lino in seinem kurzen Leben begleiten, er war der beste erste Hund, den wir uns vorstellen konnten. Er hat uns verstanden, wortlos als auch sprechend, er war frech, eigensinnig und liebevoll, er wusste was er wollte und er war so fröhlich, jeden Morgen (jeden!) uns aufwachen zu sehen. Vielen Dank mein liebster Lino! ❤️

❤️

Nach Linos Abschied, fiel uns die Decke auf den Kopf. All diese Hundesachen von Lino. Unser Alltag mit Hund war völlig unterbrochen, keine Morgen-, Mittag- oder Abendrunden mehr, niemand, der sich über „Frühstück“ oder „Abendbrot“ freute. Wir dachten also, wir machen aus dieser traurigen Situation etwas Gutes und entschieden uns, einen Pflegehund aufzunehmen. Dieser Pflegehund, Anton, 15 Monate, ebenso aus Malta, hat nun auch sein Forever-Home bei uns gefunden. Doch das möchte ich euch in einem anderen Beitrag erklären sowie Anton selbst vorstellen.


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