Matratzen

Das Thema Matratze beim Minicamper ist eine Glaubensfrage, so wie ich das feststelle. Es gibt Camper, die nehmen eine 1,20m x 1,90m Matratze und legen sie einfach direkt ins Auto und fertig ist der Camper! 🙂 Da wir allerdings zu zweit und einem Hund im Camperbett schlafen, wollte ich von Anfang an eine Matratze, die an allen Ende an das Fahrzeug reicht und keine Lücken entstehen lässt, wo nachts gern mal das Handy oder andere Sachen herunterfallen können. Auch die Liegefläche ist damit um einiges größer, was es sehr angenehm macht. Da der VW Caddy und bestimmt auch andere Minicamper so einige Ecken und Schrägen in der Liegefläche mit sich bringen, war eine einfache geradlinige Matratze keine Lösung für uns. Lange habe ich recherchiert, bis ich irgendwann feststellte, das muss ich selbst schneidern!

Meine Nähmaschinenkenntnisse waren zu dem Zeitpunkt eher rudimentärer Natur. Die richtigen Nähte zu wählen, für ein Stück Polster das Gewicht aushalten soll und auch noch Reißverschlüsse zu vernähen, stimmten mich anfangs gar nicht glücklich. Doch dieser sehr gute Blogbeitrag von Elisa hat mir Schritt für Schritt gezeigt ( vor allem das verlinkte Youtube Video von Olivia Twist), wie man das Polsterwunder erstellt, sodass selbst ich das hinbekommen habe. Auch über Social Media habe ich, nachdem ich stolz unsere Matratzen postete, Elisas Blogbeitrag geteilt und alle, wirklich alle, haben unfassbar tolle Polsterwerke geschaffen!

Ein Hoch also auf dieses Nähprojekt, auf das jede/r im Nachhinein wirklich stolz sein kann.

Der Anfang dieses Projekts startet natürlich mit den Maßen. Ich habe mich für drei einzelne Matratzen entschieden, die zum Schluss so im Camper liegen, wie im unteren Bild skizziert und bei der Fahrt aufeinander gestapelt werden können. Meine leise Befürchtung, dass jemand von uns nachher auf der Kante liegt und beim Schlafen weg sackt, hat sich bis heute nicht bewahrheitet. Ihr könnt trotzdem gern die Matratzen anders gestalten – wie wäre es mit drei parallel liegenden?! Wie immer ihr euch auch entscheidet, nehmt gut Maß und rechnet lieber 0,5 – 1cm am Rand drauf, damit die Matratzen schön dicht beieinander liegen und nicht verrutschen können – kürzen kann man dann immer noch! 🙂

Wie ihr am Einkaufszettel seht, habe ich mich für die günstigste Matratze von Ikea entschieden. Ich habe aber auch Bastler gesehen, die bei der Polsterei ihres Vertrauens entsprechend Schaumstoff bestellten. Viele Wege führen ans Ziel, doch die Ikea-Matratzen waren für uns die beste Lösung. Ich kaufte einmal die Variante in 90 x 200 cm sowie 140 x 200 cm (und wenn man schon bei Ikea ist, holt euch ein extra Laken für den Camper – am besten in dunkler Farbe, damit man nicht jeden Dreck sofort sieht! 😉).

Bei Stoff & Stil, der zu dem Zeitpunkt glücklicher Weise eine Filiale bei mir im Kiez hatte, kaufte ich einen Outdoorstoff namens Dralon, der mit Teflon verarbeitet, strapazierfähig und wetterbeständig ist – beworben als Stoff für Outdoor-Polster. Ich war sehr dankbar, dass der Laden um die Ecke war, weil ich, wie ich merkte, auch beraten werden musste. Speziell was die Reißverschlüsse anging. Das hätte ich online niemals in Erfahrung bringen können. Wenn euch aber nur die Onlinebestellung möglich ist, dann hier ein kleiner Einblick meiner Erkenntnisse:

Die Reißverschlüsse an jeder Matratze werden immer an der längsten Kante der Matratze angenäht (damit ihr das Polster dann auch in den Stoff geschoben bekommt). Jedoch muss der Reißverschluss nicht so lang sein, wie die längste Kante der Matratze selbst – ihr werdet solche langen Reißverschlüsse, und auch noch in einer gewählten Wunschfarbe nicht unbedingt finden. Allerdings erhaltet ihr sehr wohl 1m lange Reißverschlüsse in den verschiedensten Farben, wovon ich schließlich 3 Stück für die 3 Matratzen kaufte, da die längsten Seiten der Matratzen je 105,5cm bzw. 112,5cm waren.

Nebst dem passenden Garn kauft zudem auch gleich die Polsterwatte/ Vlies. Ich wollte das in einer Menge machen, bei der mich die Verkäuferin bei Stoff & Stil lieber nochmal freundlich fragte, was denn mein Projekt sei. Als ich ihr es erklärte, bekam sie zunächst große Augen und empfahl mir zum Glück (!) den dünnsten Polstervlies in einer wesentlich geringeren Menge zu kaufen – ich weiß leider nicht mehr ganz genau wie viel, aber das Polstervlies reicht nun ca. 1,5 Mal um jede Matratze. Wie mich die Verkäuferin wissen ließ, soll das Polstervlies nicht das Aufliegen angenehmer oder weicher gestalten, sondern nur den Stoff daran hindern, die ganze Zeit am Schaumstoff zu reiben und damit kaputt zu gehen!

So nun endlich zum Matratzenzuschnitt! Zieht den mitgelieferten Ikea-Matratzenstoff ab und zeichnet eure Maße gut sichtbar auf die glatte Seite der Matratzen. Anschließend schneidet ihr an diesen Linien eure Matratzen zurecht. Elisa wählte ein Brotmesser, ich hatte aber nur ein Cuttermesser und kam damit auch gut zurecht. Diese Arbeit hat echt Spaß gemacht, sobald man die anfängliche Unsicherheit, da wirklich jetzt rein zu schneiden, hinter sich lässt.

Am Ende habt ihr hoffentlich Matratzen, die so langsam Form annehmen.

Matratzen zugeschnitten mit einem Cutter

Bevor ihr nun Polstervlies und Stoff um die Matratzen wickelt, legt eure Zuschnitte ins Auto auf die ausgebreitete Liegefläche und schneidet (gerade an den Schrägen) lieber noch etwas nach. Durch den Vlies und Stoff werden die Matratzen etwas dicker, sodass diese Feinarbeit zum Schluss durchaus belohnt wird! Wichtig ist, dass die Matratzen schon sehr dicht zueinander liegen, aber dass die Ecken bzw. Schrägen nicht ungünstig am Fahrzeug drücken und die Matratze aufbäumen lässt.

Nachdem ihr die Feinarbeit geleistet habt, darf endlich das Vlies um die Matratzen. Da zwei von meinen drei Matratzen keine gerade Form hatten und ich auch nicht genügend Sicherheitsnadeln besaß, habe ich buntes, etwas festeres Tape genutzt, um die Polsterwatte zu fixieren.

Endlich durfte es nun an den Stoff gehen. Ich habe mir Zeit gelassen und jeden Tag nach Feierabend einen Matratzenüberzug genäht, sodass ich drei Tage je 1,5 – 2 Stunden benötigte. Ganz Fleißige bekommen das bestimmt auch an einem Tag fertig.

Elisa empfiehlt dieses Youtube-Video von Olivia Twist, dem ich mich nur anschließen kann!

Step by step Erklärung, wie ihr den Matratzenstoff ganz einfach selbst nähen könnt.
Start mit der Reißverschlussnaht

Beachtet aber, so wie bei mir, wenn ihr eine andere Form habt, mit ein paar mehr Schrägen und Kanten, dann ändert sich auch das Schnittmuster. Je gerader Linie ist es ein Stoffbahnteil für den Rand der Matratze nötig. Bei meinen schrägen Matratzen besteht der Rand somit aus 5 Stoffteilen und einem Stoffteil, das halbiert wird und mit dem Reißverschluss in der Mitte wieder zusammen genäht wird. Entsprechend müsst ihr auch die Formen der oberen und unteren Stoffe (Liegefläche) zuschneiden.

Sobald dann alles zusammen genäht ist, dürft ihr endlich die Matratzen mit Vlies in den Matratzenstoff einlassen und den Reißverschluss schließen. Welch eine Genugtuung und ein gutes Gefühl es ist, das Werk am Ende zu sehen!

Die zweite große Freude kam dann auf, als wir feststellten, dass die Matratzen auch im Camper wie angegossen saßen.

Dass die Matratzen übereinander gestapelt dann auch einfach für uns zu transportieren sind, rundete die ganze Geschichte perfekt ab. Endlich war es ein Camper in dem wir schlafen konnten – natürlich kann man noch viel mehr ausbauen, aber von den Basics her habt ihr nun alles, was man für erste Nächte benötigt:

Fertig sind wir mit dem Ausbau auch noch lange nicht, aber erste Touren waren nun möglich!

erste Nacht im Minicamper

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