Nach zwei Jahren war es wieder so weit, die nächste Mopedtour stand an. Mittlerweile besaßen wir sogar ein Zelt, Matratzen und Schlafsäcke. Mit dieser Ausrüstung wollten wir wild drauf losfahren, ohne vorab sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten zu bestimmen. Es gab nur zwei Ziele: eine Freundin in der Schweiz besuchen und – auf Empfehlung von Freunden, die ebenso Motorrad fahren – Kroatien bereisen.
Zu Beginn der Reise mussten wir erstmal herausfinden, wie man das neue Gepäck am besten verstaut. Dank meiner Hecktasche fanden die Schlafsäcke schnell ihren Stammplatz und das neue Zelt ließ sich wunderbar mit der Gepäckrolle zusammenschnüren. Für die Gefahr, dass es regnen sollte, haben wir für die Schlafsäcke einfach Mülltüten mitgenommen. Denn so wie die Schlafsäcke an der Hecktasche eingefädelt waren, würden auch die Mülltüten dort ihren festen Platz und Halt haben.

Unser erstes Reiseziel war ein Campingplatz in Thüringen. Nachdem wir Berlin auf der Autobahn hinter uns gelassen hatten, fing es auf Höhe Leipzig an, wie verrückt zu regnen. Wir hatten zum Glück unsere Regenkombis griffbereit und mussten die Theorie der Mülltüten-Überzüge für die Schlafsäcke unmittelbar auf dem nächsten Rastplatz austesten. Während zunehmend mehr Autos auf der Autobahn einfach ohne Beleuchtung stehen geblieben sind (!), da sich das Straßenbett zu einem kleinen Fluss entwickelte und sich die Sichtweite auf zehn Meter reduzierte, entschieden wir, dennoch weiter zu fahren. Die LKWs fuhren trotz Witterung mit hoher Geschwindigkeit weiter und das Risiko, am Seitenrand übersehen zu werden, war uns zu hoch.
Mit den Regenkombis blieben wir trocken und mit unserem Funkset stets in Verbindung. Während mein Freund seinen Respekt gegenüber diesem Wetter äußerte, lachte ich ganze Zeit nur. Es war einfach surreal – so viel Regen auf einmal haben wir bis heute auch auf keiner anderen Tour erlebt.
Als wir mit 10-20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit endlich eine Ausfahrt fanden und die Autobahn verlassen konnten, planten wir, irgendwo kurz zu pausieren. Doch die Landstraße führte uns alle fünf Minuten abwechselnd von wolkenfreien Stellen wieder rein in die schwarzen Regenwolken. Ich lachte ungläubig weiter…
Am Campingplatz in Thüringen angekommen wusste niemand von welch verrückten Regenschauer wir sprachen. Aufgrund dieser anstrengenden Fahrt, nahmen wir uns erst einmal die Zeit, zu entspannen – hier auf dem Campingplatz war es ja trocken. Natürlich folgten (uns) alsbald die dunklen Wolken, sodass wir das Zelt im Regen aufbauen mussten. Die Mülltüten hatten ihren besten Dienst getan, aber der Schutz wäre noch besser gewesen, hätten wir diese schon vor Beginn des Schauers um die Schlafsäcke gewickelt (learning by doing…)! Dadurch waren diese etwas nass, aber zum Glück nicht durchnässt. Diesen verregneten Umständen geschuldet, kann ich die Geschichte nur mit Worten, aber ohne Bilder wiedergeben…
Nach zwei Tagen zogen wir bei unstetigem Wetter weiter. Am Bodensee suchten wir erfolglos freie Stellplätze oder einen Campingplatz. In Meersburg konnten wir schließlich zu später Stunde noch im freundlichen Gasthof Mayer-Bartsch einkehren – die Dusche war eine wärmende Entschädigung für den Ärger mit der Campingplatzsuche. In der wundervollen Altstadt konnten wir noch schnell in einer Osteria Abendbrot essen und den Blick bei Nacht über den Bodensee nach Konstanz schweifen lassen.
Am nächsten Morgen sind wir auf direktem Wege in die Schweiz gefahren – über den Pragelpass sollte es ins Isenthal gehen. Vor dem Pass leuchtete uns der Klöntalersee trotz Regenwolken im strahlenden Türkis an. Auch wenn wir hier nur kurze Zeit verschnauften, sollte uns dieser Ort in Erinnerung bleiben.

Der Pragelpass, zu dem Zeitpunkt der erste Pass, den wir jemals gefahren sind, ist ein Erlebnis für sich – zuweilen gab es kein festes Straßenbett (nur Schotter und dank des Regens jede Menge Matsch) und wir mussten mit Wegbreiten vorlieb nehmen, bei dem geradeso ein einzelnes Fahrzeug passieren kann. Es war trotz des anspruchsvollen ersten Mals, sehr spaßig und als Belohnung gab es eine atemberaubende Aussicht.
Im wundervollen Isenthal wurden wir von unserer Freundin und auch den Anwohnern („Ihr seid doch die Motorradfahrer!“) bei leckerstem Käsefondue im Gasthaus Tourist begrüßt und haben Pläne für die nächsten Tage geschmiedet. Isenthal zusammengefasst: hier findet man Ruhe, leckersten Hüttenkäse und jede Menge Natur, aber zum Glück überhaupt keine Touristen, nur Reisende.


Das Wetter sollte auch in Isenthal unbeständig sein, aber wir haben uns trotzdem für eine 2-tägige Wandertour zum Chulm (auf knapp 2.000 Meter Höhe) entschieden. Da wir natürlich keine Wanderausrüstung auf unseren Mopeds dabei hatten, wurden wir fürsorglich ausgestattet. Ein kleiner Lift brachte uns hoch zur Alp Tritt, wo uns die Kühe begrüßten und wir uns mit Hüttenkäse eindeckten.

Anschließend ging es 2-3 Stunden bei anhaltendem Nieselregen nur bergauf (ein Hoch auf die Wanderausrüstung!). Dort kehrten wir in einer Hütte ein, in der es uns an Nichts fehlte: Wasser frisch aus einer Quelle, Feuerholz für den Ofen und sogar ein kleines Toilettenhäuschen (auf 2.000 Meter Höhe). Das schönste aber waren die Betten wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Für uns war neu, dass diese Hütte, wie alle anderen Wanderhütten wohl auch, für sämtliche Wanderer offen steht. Man muss sich nicht vorher anmelden, man soll sie nur ordentlich hinterlassen – der Wanderer-Ethos.


Am nächsten Tag ging es bei Nebel wieder bergab. Als Dankeschön für dieses tolle Erlebnis haben wir uns im Tal dann auf die Mopeds geschwungen und einen Großeinkauf in der nächstgelegenen Stadt, Seedorf, erledigt. Unsere Freundin hat sich vor Ort nur mit dem Fahrrad von A nach B bewegt und wenn man von Seedorf nach Isenthal zurück möchte, muss man einen 20 prozentigen Anstieg bewältigen – das ist mit Mopeds und Einkauf auf dem Rücken dann doch angenehmer als mit dem Fahrrad.

Wir beschlossen, am darauffolgenden Tag so langsam Richtung Kroatien zu düsen, um wenigstens ein paar Sonnenstrahlen im Urlaub genießen zu können.
Folgende Lektion, die man über die Alpen behaupten kann: das Wetter ist unbeständig und man kann nie sicher sagen, wie es wird. Somit hat sich dann ergeben, dass am nächsten Tag beim Aufbrechen vom Isenthal über den Klausenpass hin nach Österreich, die Sonne in voller Wonne erstrahlte – hätten wir vielleicht doch noch etwas Zeit in der Schweiz verbringen sollen?

Auf österreichischer Seite fing es wieder an, zu regnen. In Hinblick auf Zeit und Wetter visierten wir daher als Tagesziel Innsbruck an. Auf dem Weg dahin sind uns schon die vielen tollen Schilder zu den Campingplätzen aufgefallen, das kenne ich bisher aus keinem Land in der Fülle. Kurz vor Innsbruck in Stams haben wir entschieden Rast und Ruh zu finden. Der Campingplatz Eichenwald ist charmant und die Zeltwiese zum Glück fernab des Caravan-Waldes.
Das Wetter wirkte bedrohlich, daher beeilten wir uns mit dem Zeltaufbau. Als das Zelt stand (und es mal wieder nieselte) wollten wir zum ersten Mal auf dieser Reise unsere Wäsche waschen. Da ich der Meinung war, dass Campingplätze mit Waschmaschinen und Trocknern auch immer Waschmittel im Angebot haben, blieb diese unnötige Last zu Hause – falsch gedacht. Wir mussten lernen, dass man Waschmittel immer selbst mitbringt. Ich habe dann einfach unser Shampoo als Waschmittel zweckentfremdet – bei einem Mal kann man das sicherlich mal machen.

Das Wetter hatte zunehmend Einfluss auf mein Gemüt, denn der bisherige Urlaub war trotz der schönen Erlebnisse durchweg grau und nass. Ich bat meinen Freund also, dass wir ohne weitere unnötigen Zwischenstopps so schnell wie möglich nach Kroatien fahren (Diesen selbstauferlegten Stress würde ich, im Nachhinein betrachtet, nicht nochmal wiederholen und jedem abraten!). Der nächste notwendige Stopp, nachdem wir über Österreichs Landstraßen gebrettert und an vielen schönen Dingen ohne weitere Kenntnisnahme vorbei gefahren sind, war kurz vor Sloveniens Grenze. Seecamping Berghof bietet einen sehr schönen Campingplatz direkt am Ossiacher See, den ich allerdings nur für einen Kurzaufenthalt empfehlen würde. Für eine Nacht ist der mit Caravans und vielen, vielen Familien übersäte Platz trotzdem noch angenehm, aber für einen längeren Aufenthalt nach unserem Geschmack doch nicht das Wahre.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, fuhren über Landstraßen viel zu schnell an Sloveniens bezaubernder Natur und Hauptstadt, Ljubljana, vorbei, um auf der Insel Krk in Kroatien einen guten Campingplatz zu finden. Nachdem wir uns durch Google Reviews unwissentlich zu zwei riesigen Massen-Campingplätzen leiten lassen haben, sind wir anschließend einem Straßenschild zu einem Campingplatz gefolgt, den es damals auf Google Maps noch nicht gab – wie für uns gemacht! Doch dieser kleine, traumhafte und mit eigenem Strand bestückte Campingplatz Slamni war auch bei Familien mit Kleinkindern sehr beliebt. Da wir aber keine Lust mehr auf Suchen hatten und es genau noch einen Stellplatz gab, griffen wir zu. Der mit Kieselsteinen übersäte Bereich für Zelte war gewöhnungsbedürftig, wir haben daher unsere Stranddecke zwischen Erd- und Zeltboden gelegt. Und endlich konnten auch wir zum ersten Mal auf dieser Reise Sonnenstrahlen und einen ordentlichen Sonnenuntergang genießen!

Am nächsten Morgen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Parzelle ab dem Tag schon wieder reserviert sei und wir unser Zelt abbauen müssten. Dies passte aber so gar nicht mit unserer Vorstellung überein, für die nächsten 2-3 Tage das Zelt stehen zu lassen (und warum hat man uns nicht vorher darüber informiert?). Nach mehrmaligem Nachfragen und regelrechtem Betteln, wurde uns eine andere Parzelle angeboten. Auch hier mussten wir nicht lange überlegen, hauptsache wir durften bleiben. Auch das Zelt blieb aufgebaut, wir mussten es nur in die andere Parzelle tragen. Unseren Aufenthalt haben wir spontan auf 5 Tage verlängert, denn die Sonne, die Wärme und das Wasserrauschen waren einfach Erholung pur, nachdem wir wie verrückt und mit nur sehr kurzen Pausen durch die verregneten Alpen geprescht sind.


So sehr ich den Campingplatz hier auch positiv hervorhebe, so sehr möchte ich auch auf den größten Schmerz hinweisen: Die anfängliche Feststellung, dass auch viele Familien mit ihren Kleinkindern hier ein kleines Paradies gefunden haben, hat uns nachts schnell wieder eingeholt. Tagsüber waren die Kinder goldig und kreativ. Nachts aber wechselten sich die Babys und Kleinkinder mit Schreien ab. Fing das Geschreie hinter uns an und hat sich langsam beruhigt, ging es kurz darauf neben uns weiter. Eine Nacht habe ich mal mitgezählt und vermutet, dass fünf Kleinkinder sich mit dem Schreien abgewechselt haben. Daher kann ich diesen Campingplatz nur außerhalb der Hauptsaison empfehlen.
Nach 5 Tagen machten wir uns langsam wieder auf den Heimweg und wollten dabei noch ein paar Alpenpässe mitnehmen. Als ersten Pass für die Rückreise haben wir uns den Loiblpass vorgenommen. Von slovenischer Seite fuhren wir also an die Grenze zu Österreich heran, der Loiblpass liegt in beiden Ländern. Zum Glück konnten uns freundliche Anwohner in Slovenien erklären, wie wir dort hingelangen. Google war uns hier keine große Hilfe mehr, also fuhren wir in die Richtung und entdeckten genau ein Schild „Ljubelj Pass“, welches uns kurz bestätigten konnte, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Es führten links und rechts keine sichtbaren Wege ab, sodass wir einfach der Straße folgten und bald durch einen Tunnel geführt wurden. Nach dem Tunnel strahlte uns ein Schild an: „Willkommen in Österreich“ – Wie jetzt? Liegt der Loiblpass doch nur auf österreichischer Seite? Kommt der noch? Sollte der Tunnel der Pass sein? Im Seitenspiegel konnte ich auf der Beschilderung des Gegenverkehrs viel deutlicher sehen, wo der Loiblpass lang gehen sollte – das war definitiv nicht der Weg, von dem wir gerade gekommen sind und somit mussten wir an der Stelle ärgerlich feststellen, dass wir am Loiblpass einfach vorbei- oder vielmehr durchgefahren sind…
Dass wir den Loiblpass unwissentlich verpasst haben, hat meinen Freund so sehr beschäftigt, dass er dafür eine Entschädigung suchte und für uns auch in der Nockalmstraße fand. Für die Nockalmstraße muss man leider (11 Euro pro Moped) Eintritt bezahlen, aber das ist es mehr als wert! Wir standen am Eingang des Biosphärenparks und fanden es regelrecht unverschämt. Wer aber einmal die 35 km lange Nockalmstraße mit ihren 52 Kehren durch die wundervolle Natur und dem hervorragendem Straßenbett gefahren ist, wird bestätigen können, dass dies ein wahres Erlebnis ist.

Durch die frisch gewonnene Energie unseres 5-tägigen Aufenthalts an der Adria, haben wir es geschafft, noch am selben Tag komplett über Landstraßen von der Insel Krk, Kroatien, über Slovenien und Österreich kurz hinter der Grenze Deutschland zu erreichen. Der Campingplatz Staufeneck konnte uns noch ein schönes Plätzchen am Bächlein Saalach bieten, sodass wir unsere letzte Nacht im Zelt gemütlich ausklingen lassen konnten.
Am nächsten Morgen sind wir früh auf und haben uns direkt auf eine 6-7 stündige Autobahntour begeben. Mit einem Veggieburger (!) am Autohof Münchberg als Pausenmahlzeit, sind wir am Abend daheim angekommen und konnten ausgiebig eine erfrischende Dusche genießen. Ja, diese Reise war definitiv eine Motorradtour nach unserem Geschmack. Nur das Hetzen vorbei an den schönen Landschaften werden wir nicht wiederholen. Ein Campingkocher fehlte auch und für unsere Rücken wäre ein Sitzplatz am Zelt auch was Feines… Für die nächste Reise! 🙂
Eine schöne Reise habt ihr gemacht. Gerade Kroatien finde ich so interessant. Vielleicht wäre das mal was für eine Herbstreise, wenn der große Trubel schon durch ist und man die Camps wieder fast für sich alleine hat. Ein paar Mal war ich früher auf der Insel Cres, das war sehr schön, aber ich würde auch gerne etwas vom Hinterland sehen. Ich guck gleich mal nach dem Autozug HH-Villach. Von da ist es doch ein Klacks bis an die Adria.
Ich wünsche euch eine tolle Reisesaison 2017. Bald geht es wieder los und ich bin gespannt, wohin ihr als nächtes reisen werdet. Motorrad, Zelt und Schlafsack rulez!
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Liebe Svenja,
in Kroatien hatten wir uns tatsächlich auch vorgenommen, mehr ins Land hinein und die vielen wunderschönen Wasserfälle anzuschauen. Zu der Zeit haben wir uns aber nach ein bisschen Ruhe gesehnt, sodass wir dies nun ein anderes Mal nachholen werden 🙂
Ich freu mich auch schon auf unsere nächste Reise und warte auch schon gespannt auf Deinen nächsten Reisebericht! 🙂 Viel Spaß und Frohsinn für Dich und Pieps! LG
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